Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/57/
Freie Säure des Magensaftes. 
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20 Stunden nüchterner Fleischfresser nur freie Salzsäure und 
keine Spur Milchsäure oder Essigsäure enthalte und dass der Magen¬ 
saft von Pflanzenfressern neben freier IICl noch kleine Mengen Milch¬ 
säure enthalte, die indess nur von stärkemehlhaltigen Nahrungsmit¬ 
teln abzuleiten seien. Schmidt’s vor aller Kritik Stand haltende 
Methode war folgende: aus circa 100 C.-C. mit Salpetersäure ange¬ 
säuertem Magensafte wurde mit Silbernitrat alles Chlor gefällt; das 
erhaltene AgCl war frei von Organischem und konnte ohne weiteres 
gewogen werden. Nach Entfernung des überflüssigen Silbers mit IICl 
wurde das Filtrat eingetrocknet, verkohlt und im Rückstand der Ge¬ 
halt an sämmtlichen Basen bestimmt. Es ist, sagt Schmidt, klar, 
dass bei Anwesenheit von Laetaten die gefundenen Basen die ge¬ 
fundene IICl überragen, bei alleiniger Gegenwart von freier HCl 
dagegen das umgekehrte Verhältniss wahrgenommen werden müsse. 
In allen Analysen übertraf nun die direct gefundene IICl-Menge das 
Säureäquivalent der Basen bedeutend. Ausserdem wurde noch durch 
Titrirung mit Kali oder Kalk und Barytwasser die freie Saure be- 
stimmt; es wurde fast genau so viel von dem Titriralkali erfordert 
als der freien IICl entsprach. In mehreren Fällen wurde auch der 
Magensaft auf r4 verdampft, mit 4 Vol. absol. Alkohols vermischt, 
das Filtrat mit PtCh versetzt und im Niederschlag (Platinsalmiak 
KiPtClo) das XIP bestimmt. Der Gehalt daran war nicht bedeutend, 
aber ziemlich constant und nach Abzug des Säureäquivalentes vom 
Xlh blieb immer noch reichlich freie IICl über. Die gefundenen 
Mittelzahlen werden wir später mittheilen. 
Schmidt’s fundamentale Bestimmungen sind unwiderlegt, ja so¬ 
gar bestätigt worden, so dass kein Zweifel mehr besteht, dass die 
hauptsächlichste und primäre Säure im Magensaft Salzsäure ist, so 
widerstrebend man sich auch durch lange Zeit und noch neuestens 
(Laborde *) dagegen gewehrt hat, im Organismus eine so kräftige 
Mineralsäure entstehen zu lassen. Die vielfachen Funde von Milch¬ 
säure, Buttersäure, saurem Phosphat, Essigsäure beweisen nichts da¬ 
gegen, denn wo freie IICl ist, müssen auch die genannten Säuren 
wenigstens zum Th eil frei Vorkommen und ihr freies Auftreten ist 
leichter zu bestätigen als das der IICl, denn die Milchsäure kann 
man mit Aether ausschütteln und die Essigsäure und Buttersäure 
gehen schon in die ersten Destillatsfractionen über. Die sauren Phos- 
phate sind auch im Magensafte zweifellos vorhanden und als Nach¬ 
weis gilt das von C. Schmidt 1. c. regelmässig mit Ammon erhaltene 
i Laborde. Jahresber. d. Thierchemie TV. S. 252. 1874.
        

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