Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/22/
22 Maly. Chemie der Verdauungssäfte u. Verdauung. 1. Cap. Der Speichel. 
Indern dann später die behindernde Wirkung- des Alkohols, 
dann die zerstörende oder aufhebende der höheren Temperatur er¬ 
kannt waren, rangirte sich der unsichtbare Körper mit der sichtbaren 
Wirkung unter die Fermente und man spricht heute von einem 
zuckerbildenden, saccharified rende n, amylolytischen, 
diastatischen Speichelferment, über dessen versuchte Isolirung 
die Angaben schon vorher S. 11 gemacht worden sind. 
Ob die ähnlich wirkenden Fermente von Pancreas, Darmsaft etc. 
mit dem des Speichels identisch sind, ist sehr wahrscheinlich. aber 
nicht bewiesen. Auch das sacchariticirende vegetabilische Ferment 
der gekeimten Gerste, die eigentliche Diastase von Paten & Persoz 
scheint mit dem Speichelferment, das seit Mialhe oft als Diastase 
salivaire bezeichnet wird, identisch zu sein, höchstens sprechen da¬ 
gegen Differenzen in den Sistirungstemperaturen. Jedenfalls sind aber 
alle die genannten Fermentwirkungen einander höchst ähnlich, 
denn immer kommt es darauf hinaus, dass im Verlaufe von Secun- 
den, Minuten oder Stunden Stärke verschwindet, und sich lösliche 
Kohlehydrate — Dextrine, Zucker — bilden und die Beobachtun¬ 
gen beziehen sich darauf, dass die Reaction auf Stärke schwä¬ 
cher wird oder aus bleibt und neue Reaction en eintrete n. 
Bezüglich des Verschwindens der Stärke-Jod reaction ist 
häufig auf eine mögliche Irrung aufmerksam gemacht worden, die Schiff *, 
Lussana und Vintschgau - studirten. Speichel und andere thierische 
Flüssigkeiten wie Muskelsaft, Bauchspeichel, Harn etc. enthalten Bestand- 
theile, die Jod binden in einer nicht genau erkannten Weise, wahrschein¬ 
lich unter Bildung von Substitutionsproducten und gleichzeitig von HJ. 
Die Jodbindung ist nicht auf die geringe Alkalinität des Speichels zu 
schieben, denn der saure Harn thut es auch und überdiess ist speciell 
nachgewiesen, dass die Jodstärke-Entfärbung in fast gleicher Weise ab¬ 
läuft, ob der dazu gebrauchte Speichel normal oder ob er leicht ange¬ 
säuert ist, wenn nur die andern Bedingungen identisch bleiben. Dass 
von dem Verschwinden der Stärke durch Zuckerbildung die Jodstärke¬ 
entfärbung nicht abzuleiten ist, zeigt sich dadurch, dass gekochter Speichel, 
dessen Ferment also zerstört ist, gleichwohl nach dem Abkühlen und be¬ 
sonders lebhaft bei Brutwärme noch jodirte Stärke entfärbt; bringt man 
dann aber mehr Jod oder ein Tröpfchen gelber Salpetersäure hinzu, so 
tritt wieder Bläuung ein, ein Beweis, dass noch Stärke vorhanden ist. 
Ebenso verhält sich rohe Stärke (Stärkemilch), auf die das Ferment doch 
höchst langsam wirkt; d. h. man kann zu einem frisch gemachten Ge¬ 
misch von Speichel und roher Stärke ein wenig Jodtinktur setzen, ohne 
Bläuung zu erhalten. Hierauf kommt nach Schiff auch ein Kunststück- 
1 Schiff, Digestion p. 153 etc. 
2 Vintschgau, Atti dell’ Istituto veneto di scienze. lettere ed arti. Ser. 3. IV.. 
Ser. 4. III.
        

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