Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/205/
Producte der Pankreasverdauung von Eiweiss. 
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mussten Hüfner’s Versuche mit dem Alkoholpräcipitat aus Pankreas¬ 
glycerin angestellt werden. Dabei zeigte sich, dass jeder Verdauungs¬ 
versuch Kohlensäure, wenn gleich in sehr wechselnder Menge lieferte, 
unter Verschwinden des Sauerstoffs der miteingeschlossenen Luft. 
Nie traten aber brennbare Gase wie Wasserstoff oder Sumpfgas 
auf, und die Bildung dieser im Darme hängt also jedenfalls mit der 
re inen Pankreasverdauung in keiner Weise zusammen. Aber Hüf¬ 
ner fand weiter, dass auch die Kohlensäure keineswegs ein Ver- 
dauungsproduct ist, sondern dass sie nur einer nebenbei ablaufenden 
Oxydation, die immer dann eintritt, wenn überhaupt Sauerstoff vor¬ 
handen ist, ihren Ursprung verdankt; schon gekochtes Fibrin allein 
gibt nach 3 wöchentlichem Digeriren bei 40—50° und bei Luftgegen¬ 
wart Kohlensäure. Schliesst man umgekehrt die Luft aus, indem 
man Fibrin, Wasser und Fermentpulver in ein Gefäss bringt und 
die Luft vor dem Zuschmelzen des Gefässes auspumpt, so zeigt 
sich nach einigen Tagen gleichwohl Alles verdaut bis auf krümliche 
Reste, aber Kohlensäure fehlt. Aus diesen Versuchen folgt, 
dass die reine, von Fäulnissorganismen unbeeinflusste Pankreatinver¬ 
dauung mit der E n t w i c k 1 u n g v o n G a s e n nichts zu t h u n h a t. 
Im lebenden Darm stellen sich die Verhältnisse allerdings ganz an¬ 
ders ; da tritt Kohlensäure auf, weil Luft vom Magen herabkommt, 
und da treten auch brennbare Gase auf, letztere aber unter dem Ein¬ 
flüsse von Bactérien, als echte Fäulnissproducte. Auf die Beschrei- 
bung dieser Verhältnisse wird später eingegangen. 
Die Kenntniss der auftretenden Gase hat neben den später zu 
erörternden Arbeiten Nencki’s und Kühne’s besonders beigetragen, 
die reine Pankreasverdauung und die so leicht eintretende 
F ä u 1 n i s s auseinanderzuhalten. Kühne 1 empfiehlt als Mittel 
zur Begrenzung der reinen Verdauung die Salicylsäure, welche die 
Wirkung der löslichen Fermente (Enzyme) nicht beeinträchtigt, die 
Fäulnissorganismen aber nicht aufkommen lässt, so dass durch sie 
die Pankreasverdauung als chemischer Process isolirt werden kann. 
Z. B. 800 Grm. Drüse mit 4 Grm. Salicylsäure und 2 Liter Wasser 
bei 40" digerirt, zeigten keine Spur Bactérien, während die Drüse 
schon nach ein paar Stunden gelöst war und ein weisser Tyrosin¬ 
brei die Peptonlösung erfüllte ; Schwefelsäure und Salzsäure leisten 
dasselbe nicht, aber Essigsäure soll wie Salicylsäure wirken. Be¬ 
deckung mit einer Aetherschichte ist nicht zu brauchen, unter ihm 
leben die Bactérien weiter. Uebrigens hat Kühne gezeigt, dass man 
1 Kühne, Jahresber. d. Thierchemie YI. S. 272. 1S7G.
        

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