Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/176/
176 Maly. Chemie der Yerdauungssäfte u. Verdauung. 3. Cap. Galle 
Auch bei Thier en finden sich Gallensteine. Die vom Kind und 
Schwein sind ein werthvolles Material zur Bilirubingewinnung und in An¬ 
sehen und Zusammensetzung den menschlichen Bilirubinsteinen analog. 
Die beim Menschen so häufigen Cholesterinsteine kommen beim Rind nicht 
vor. Concremente vom Rind habe 
Phipson 2 analysirt: 
R i n d. 
In Wasser löslich .... 18.09% 
Aetherextract (Fett) .... 5.28 
Bilirubin........28.10 
Phosphate und an Bilirubin 
gebundene Erden . . . . 1.41 
Unlösliches.......47.13 
ich 1, ein solches vom Schwein hat 
Schwein. 
Wasser........8.00% 
Cholesterin-(-Fett .... 1.35 
Schleim........11.50 
Ilyocholsaures Natron . . . 2.75 
Bilirubin........61.36 
Mineralisches......13.65 
Bezüglich der Genesis und der nächsten Veranlassung zur Bildung 
der Gallensteine ist, wie Lehmann schon 1853 sagt3, ungeheuer viel 
geschrieben worden, aber keinesfalls ist seit diesem Ausspruche die Kennt- 
niss darüber weit vorgeschritten. Da die Gallensteine der Menschen mei¬ 
stens aus Cholesterin bestehen, das leicht auskrystallisirt, so hat man sich 
vorwiegend nach einer Substanz umgesehen, die um sich herum eine solche 
Ausscheidung veranlassen könnte. Für den früher in Anspruch genom¬ 
menen Schleim spricht gar nichts; die Behauptung von Bramson, dass 
es vorwiegend der Kalkgehalt der Galle sei, der, indem er mit den Pig¬ 
menten schwerlöslichen Pigmentkalk als Niederschlag gibt, ein gallenstein¬ 
bildendes Moment sei, ist das eine Fundament der Gallensteingenesis, wäh¬ 
rend die zweite, von Thudichum in Anspruch genommene Ursache in der 
Abspaltung von Choloidinsäure, Cholsäure etc. gefunden wird. Diese festen 
Körperchen könnten als Krystallisationspunkte dienen, wobei aber Um¬ 
stände mitwirken müssen, die das fortwährende Ausscheiden neuen Chole¬ 
sterins veranlassen. Ob eine vermehrte Cholesterinbildung anzunehmen 
ist, oder ob die Lösungsmittel des Cholesterins in solchen Gallen vermin¬ 
dert sind, ist unbekannt. 100 Grm. einer 12proc. Lösung von krystalli- 
sirter Ochsengalle lösen bei Bluttemperatur etwa 0.235 Grm. Cholesterin 
auf. In Cysten- und andern pathologischen Flüssigkeiten sieht man oft 
alles von Cholesterinblättchen flimmern, aber Steine bilden sich dort nicht. 
Man kann also auch nicht sagen, dass an der Verminderung der Chole¬ 
sterinlösungsmittel das Hauptgewicht liegt. Die Ursachen endlich für eine 
über das Normale hinausgehende Cholesterinproduction sind noch kaum 
zu ahnen. 
IV. "Wirkung der Galle auf die Nährstoffe des Magencliynius 
und ihre physiologische Bedeutung. 
Da die Galle in den Darmcanal abfliesst, wurde sie für eine 
Verdauungsflüssigkeit gehalten. Man hat zwei Wege, die Galle in 
dieser Richtung zu untersuchen: 1. den chemischen, indem man sie 
] Maly, Jahresber. d. Thierchemie IV. S. 310. 1874. 
2 Phipson, Chem. Centralbl. 1868. S. 266. 
3 Lehmann. Physiol. Chemie S. 62.
        

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