Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/167/
Bestandtheile der Galle: Gallenfarbstolle. 
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GMELiN’sclien Probe in der lebhaftesten Weise durch. Wenn man die 
zugetröpfelte Brommenge quantitativ bestimmt, so findet man, dass be¬ 
stimmten proportionalen Brommengen bestimmte Farben entsprechen; setzt 
man die Brommenge, die nöthig ist, um die orange Bilirubinlösung, gelb- 
grün zu färben = 1, dann beträgt die Brommenge zur Hervorbringung : 
der rein grünen Farbe 2 
„ „ blauen „ 3 
„ kirsclirothen „ 4 
„ gelben Endfarbe 5 
Wegen der Leichtigkeit, mit der diese brillant gefärbten .Lösungen 
erhalten werden können, schien mir 1 lange Zeit die Bromreaction als be¬ 
sonders günstig, die bei der GMELiN’schen Probe so flüchtigen Faiben- 
stadien zu fixiren, und auch Heynsius und Andere haben die Salpetei- 
säure- und Bromreaction identificirt, denn dass Brom bei Gegenwart von 
Feuchtigkeit oxydirend wirkt, Br2 -j- H-iO = 2BrH -\- 0, ist gegenübei 
leicht oxydirbaren Körpern oft genug zu beobachten. Aber trotzdem bei 
beiden Reactionen dieselben farbigen Körper und i n d e r s.e 1 b e n 
Reihenfolge auf treten, so sind sie doch völlig verschieden; 
ein Fall, der gewiss einzig in der Chemie dastelit. Der grüne Körper 
der Bromreaction ist nicht Biliverdin, sondern ein Gemisch von gelbem 
Bilirubin und dem nächsten blauen Körper, der blaue aber und der rothe 
sind Bromsubstitutionsproducte; der letzte gelbe.wahrscheinlich 
auch, doch dies ist zu untersuchen. Mancherlei Angaben in der Literatur 
über das „blaue Oxydationsproduct“, so z. B. in den Arbeiten von Heynsius 
und Anderen sind in diesem Sinne zu sichten, da sie unter der sicher 
verzeihlichen Meinung verfasst wurden, dass das blaue Product der Sal¬ 
petersäurewirkung und das unter dem Einflüsse von Biom Entstandene 
identisch seien. 
Das blaue Bromproduct, Tribrombilirubin lässt sich am leich¬ 
testen isoliren. Thudichum2 spricht von einem Monobrombilirubin3, nach 
meinen Untersuchungen4 ist es höchst wahrscheinlich CsiHnBrsNiOs und 
entsteht aus 2 Bilirubin und 3 Mol. Brom nach der Gleichung: 2CmH\%N%0$ 
-I- 3ßr-2 = CnffMBr*m 0G + 3Hßr. Zu seiner Darstellung wird Bilirubin 
in alkoholfreiem Chloroform vertheilt, eine ebensolche Lösung von Brom 
hinzugefügt und geschüttelt. Es scheidet sich die Verbindung als dunkles 
Netzwerk ab, das den Glaswänden anhaftet; man giesst das Chloroform ab 
und reinigt durch Auflösen in Alkohol und Fällen mit Wasser. Schwarz- 
blaues Pulver, das bei 100° HBr abgibt, unlöslich in Wasser, leicht mit 
dunkelblauer Farbe in Alkohol oder Aether und alkoholhaltigem Chloro¬ 
form löslich, mit besonders feuriger Farbe bei Gegenwart von Säure oder 
in Essigsäure selbst. Concentrirte Schwefelsäure löst mit grüner Farbe. 
KrystaÜisirt unter Umständen. Mit Laugen zersetzt es sich unter Ab¬ 
spaltung des Broms und Bildung’ eines mit Bili\ erdin übereinstimmenden 
Körpers. Siehe vorher S. 159. Das Absorptionsspectrum vom Tribrom- 
1 Maly, Sitzungsber. d. V iener Acad. LIA. 2. Abth. Apiil 1509. 
2 Thudichum. Jahresber. d. Thierchemie V. S. 192. 1S75. 
3 Thudichum’s Formel CvHsBrNCh gebt von einer unrichtigen Zusammen¬ 
setzung des Bilirubins aus. 
4" Maly. Jahresber. d. Thierchemie V. S. 193. 1S75.
        

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