Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/140/
140 Maly. Chemie der Verdauungssäfte u. Verdauung. 3. Cap. Galle. 
den übrigen bei der Zersetzung durch Säuren entstehenden Körpern. Nach 
ihm wird zuerst Cholonsäure (siehe früher S. 134) gebildet, dann die Nfreie 
Cholsäure und endlich bei intensiver Säureeinwirkung die zwischen der 
Cholsäure und dem Dyslysin in der Mitte stehende Choloidinsäure. In 
der That lässt sich für die Choloidinsäure, die mit gut zusammenstimmen- 
dem Resultate von Demarcay, Dumas, Theyer & Schlosser, Gorup-Besanez 
und von Strecker analysirt worden istl 2, eine Formel ableiten: C24//39G412 
(oder alt Ö9), nach welcher sie als Cholsäure minus (2Hi 0 er¬ 
scheint oder auch als Dyslysin plus \{J^HiO. In den meisten Büchern 
ist auf Anlass von Gerhardt der unpaaren resp. halben Atomzahlen wiegen 
die Formel auf abgerundet worden. 
Die STRECKER’sche Choloidinsäure ist durch Fällen der weingeistigen 
Lösung mit Aether, Auflösen in Weingeist und Fällen mit Wasser ge¬ 
reinigt worden. Sie bildet ein amorfes Pulver, das beim Erhitzen er¬ 
weicht, bei 150° schmilzt, sich nicht in Wasser, wenig in Aether, leichter 
in Weingeist löst. Sie neutralisirt die Basen, zerlegt Carbonate und geht 
durch stärkere Säure- oder Hitzeeinwirkung in Dyslysin über. Bei der 
Unkrystallisirbarkeit der Säure und ihrer Salze ist ihre Untersuchung 
schwierig und Hoppe-Seyler 2 leugnet ihre Existenz völlig, indem er an¬ 
nimmt, sie sei ein Gemenge von Cholsäure und Dyslysin und die cho- 
loidinsauren Salze seien nichts anderes als cholsäure Salze. Wirklich 
wurden die sog. choloidinsauren Salze angenommen als . MO 
(alte Formel mit 0 = 8) und können daher keine Salze der Säure CxsffwOç 
sein. Ferner hebt Hoppe-Seyler hervor, dass die Löslichkeit des Dyslvsins 
in der Cholsäure eine Trennung dieser Körper vorläufig nicht zulasse. 
Taurocholsäure, C26HxbNSO-. 
Demarcay’s Cholemsäure und Strecker’s Cholemsäure. 
Die Taurocholsäure ist als Natronsalz neben Glycocholat in der 
Rindsgalle, aber nur in kleiner Menge enthalten, während sie in der 
Galle der Carnivoren und Fische vorherrscht. Das Picromel von 
Thenard ist im wesentlichen Taurocholsäure. Gmelin hat 1826 das 
Spaltungsproduct der Taurocholsäure, das Taurin, entdeckt, aber den 
Zusammenhang zum Picromel nicht erkannt, sondern es neben letzte¬ 
rem als fertigen Gallenbestandtheil aufgeführt, aber Demarcay hat 
aus seiner Cholemsäure, die er für die einzige Säure der Galle hielt, 
durch Kochen mit stärkeren Säuren Choloidinsäure neben Taurin 
erhalten. Nach Entdeckung des Schwefels im Taurin und der da¬ 
durch erleichterten Unterscheidung der S freien Glycocholsäure von 
der *S haltigen Taurocholsäure erschloss Strecker3 ihre Constitution 
aus den Zersetzungsproducten: Cholsäure und Taurin nach der Ana- 
1 Eine vollständige Zusammenstellung der analytischen Resultate und das 
Nähere über die Salze etc. siehe in Gmelin-Kraut’s Handb. VII. (3) S. 2039. 
2 Hoppe-Seyler, Chem. Centralbl. 1863. S. 757. 
3 Strecker, Ann. d. Chemie LXV. S. 130, LXVII. S. 1 u. 16, LXX. S. 159.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.