Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/134/
134 
Maly, Chemie der Verdauungssäfte u. Verdauung. 3. Cap. Galle. 
wurde, und in folgender Art gewonnen wird. Wenn man glycocholsaures 
Natrium mit Schwefelsäure fällt und die gefällte Säure durch wiederholtes 
Auskochen mit Wasser umkrystallisirt, so bleibt ein kleiner, darin nicht 
löslicher Theil, der perlmutterglänzende Blättchen oder sechsseitige Tafeln 
darstellt von mikroskopischer Grösse. Durch die Unlöslichkeit in kochen¬ 
dem Wasser unterscheidet sie sich von der Glycocholsäure, mit der sie 
gleiche Zusammensetzung zeigt. Bei ihrer Auflösung in Alkohol und 
Fällung mit Wasser scheiden sich wieder nadelförmige Krystalle der ge¬ 
wöhnlichen Glycocholsäure ab. Auch die Salze, welche die Säure gibt, 
unterscheiden sich nicht von denen, die aus der wasserlöslichen Glyco¬ 
cholsäure erhalten werden; in den Salzen besteht also die Modification 
nicht mehr fort. Als Strecker die Glycocholsäure nach der Methode 2 
darstellte, also Schwefelsäure ausschloss, war der Glycocholsäure eben¬ 
falls Paraglycocholsäure beigemischt, woraus zu schliessen, dass sie schon 
als solche in der Ochsengalle enthalten ist. Nach Mulder soll bei Zer¬ 
legung eines glycocholsauren Salzes (Baryts) umsomehr Paraglycocholsäure 
ausfallen, je stärker die zugesetzte Säure war. Sie gibt die Pettenko- 
FER’sche Reaction. 
Glycocholonsäure, Cu Hu NCh (Ch olonsäure von Mulder 
und Strecker). 
Ist gleich der Glycocholsäure minus ih 0, also eine anhydrische Form. 
Sie entsteht bei Einwirkung kochender Säuren auf Glycocholsäure im 
ersten Stadium und ihre Bildung geht der Zerspaltung in Cholsäure 
und Glycocoll voraus. Sie ist von Strecker 1 entdeckt, von ihm und 
Mulder untersucht, von ersterem nur amorf, von letzterem auch kry- 
stallinisch erhalten worden. Man gewinnt sie, wenn man Glycocholsäure 
mit concentrirter Salz- oder Schwefelsäure (?) erwärmt, worauf sich bald 
ölige Tropfen abscheiden, die beim Erkalten fest und harzartig werden. 
Sie ist eine schwache Säure, schmilzt im Wasserbade, wird beim Erkalten 
hart und spröde. Wird das Sieden länger fortgesetzt, so soll die Zu¬ 
sammensetzung CuH^NOx sein und bei noch längerem Sieden spaltet 
sich Glycocoll ab und es entstehen die später zu beschreibenden A freien 
Gallensäurederivate. Die Cholonsäure löst sich in Alkohol, kochendem 
Wasser, wässerigen Alkalien und Ammoniak, nicht in kaltem Wasser und 
Aether. Ihr Barytsalz ist in Wasser nicht löslich, das Kalksalz eben¬ 
falls nicht. 
Chologlycolsäure, Cu Ha 0-. 
Verhält sich zur Glycocholsäure wie die Benzoglycolsäure zur Hippur¬ 
säure, oder wie die Milchsäure zu den Alaninen und ist von Joh. Lang 2 
entdeckt. In eine salpetersaure Lösung von Glycocholsäure von 6 — 8° C. 
leitet man salpetrige Säure, sättigt mit Barytwasser, entfernt überschüssigen 
Baryt mit CO-i und concentrirt. Auf Zusatz von Salpetersäure fällt die 
Choioglycolsäure als amorfe Masse, aus der durch Kochen mit verdünnter 
Schwefelsäure Glycolsäure erhalten wird. Sie gibt Salze. 
1 Strecker. Ann. d. Chemie LXVII. S. I u. LXX. S. 166. 1849. Auch Gmelin- 
Kraut VII. (3) S. 2048. 
2 Lang, Jahresber. d. Thierchemie VI. S. 74. 1876.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.