Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/123/
Bestandteile der Galle; Mucin. 
123 
II. Die Bestandteile der Galle. 
Die Galle nimmt durch ihre Bestandtheile eine ganz ausnahms¬ 
weise Stellung unter allen thierischen Flüssigkeiten ein 5 während 
die anderen Verdauungssäfte, zumal Speichel, Pancreas- und Darm¬ 
saft keinerlei für sie specitische als chemische Individuen fassbare 
Körper enthalten, sind in der Galle 2 Gruppen gut darstell¬ 
barer und schon einigermaassen studirter Substanzen 
enthalten, die durch ihr regelmässig gemeinschaftliches Auftreten 
für dieses Secret aller bisher untersuchten Wierbelthiere charak¬ 
teristisch sind, und die in anderen Thierflüssigkeiten und Ge¬ 
weben nicht oder nur in Spuren Vorkommen. Da ferner die einzelnen 
Glieder dieser beiden Gruppen von Substanzen: der Gallensäuren 
und der Ga 11 en färb stoff e durch sehr empfindliche und bunte 
chemische Reactionen ausgezeichnet sind, so ist es dadurch möglich, 
was sonst kaum mehr in der Thierchemie Geltung hat, an einem 
einzigen Tropfen Galle die Diagnose des Secrets mit Sicherheit durch¬ 
zuführen. 
Ausser den Gruppen echter Gallensubstanzen können als regel¬ 
mässige oder doch häufig gefundene Bestandtheile der Gallenflüssig¬ 
keit angesehen werden : Fette, Seifen (palmitinsaure, stearinsaure 
und ölsaure Alkalien), Cholesterin, Lecithin1 2, Mucin, Spuren 
von Harnstoff (Picard, Popp), die anorgani sehen Salze, wor¬ 
unter die Natronsalze beiweitem vorwiegen und endlich Kohlen¬ 
säure. 
Das von Strecker aus Ochsen- und Schweinegalle dargestellte Cho¬ 
lin (Neurin) ist nicht als Bestandtlieil der Galle, sondern als Zersetzungs- 
product des Lecithins zu betrachten. 
Mucin, Schleim kommt nur als Secret der Schleimdrüsen, der 
Galle beigemischt vor, die bei grösserem Gehalte daran lange Fäden 
zieht. Man kann das Mucin daraus durch Fällung mit Alkohol und Waschen 
mit Weingeist darstellen, aber immer bleibt Farbstoff daran hängen. Auch 
Essigsäure fällt Mucin aus, gleichfalls farbstoffhaltig, aber frei von phos¬ 
phorsauren Erden. Nach Berzelius 2 enthält der mit Säure gefällte Schleim 
die Säure in chemischer Verbindung und reagirt daher auf Lakmuspapier. 
Dieselbe Verbindung soll der blos striemig aufgequollene und abfiltrirte 
Gallenschleim mit Säuren bilden, wobei er seine Schleimigkeit verliert. 
Von kohlensaurem Alkali wird ihm die Säure entzogen, ohne dass die 
Masse schleimig wird, aber durch kaustische Alkalien wird er nach einer 
1 Die Körper der Lecithingruppe werden nach Uebereinkunft mit der Redac¬ 
tion nicht im Folgenden, sondern im Zusammenhänge mit der Gehirnchemie bearbeitet 
werden. 
2 Berzelius, Chemie S. 2S8.
        

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