Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/122/
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Maly, Chemie der Verdauungssäfte u. Verdauung. 3. Cap. Galle. 
men und als Verbrennungsproducte werden Kohlensäure und Schwefel¬ 
säure erhalten, die specifischen Gallensäuren also vollständig zersetzt. 
Was aus dem Stickstoff der Galle dabei wird, konnte nicht ermittelt 
werden (Gorup-Besanez 1). 
Gallenfäulniss. Bleibt Galle bei mittlerer Temperatur sich selbst 
überlassen, so erleidet sie eine Reihe von Zersetzungen, die besonders 
von Berzelius, Gorup-Besanez2 4, Strecker 3 und Thudichum 4 an der 
Ochsengalle studirt worden sind. Nach 2—3 Tagen bilden sich Häute, 
die Galle wird missfarbig, Pigmentkörnchen, pilzähnliche Granulationen, 
Kochsalzkrystalle und Vibrionen erscheinen. Dabei wird die ursprünglich 
neutrale Flüssigkeit alkalisch, faulig stinkend, und indem die Vibrionen 
wieder absterben, scheiden sich Erdphosphate, phosphorsaure Ammon¬ 
magnesia, fettsaurer Kalk aus, während die Flüssigkeit kohlensaures und 
schwefligsaures Ammon enthält. In diesem Stadium ist die Galle durch 
Säuren fällbar ; sie enthält cholsaures Natron neben zum Theil noch nicht 
weiter zersetztem Glycocoll und Taurin. In einem weiteren Fäulniss- 
stadium tritt saure Reaction ein, Cholsäure oder Choloidinsäure durch 
mitgerissene Pigmente gefärbt, fallen nieder, ebenso fette Säuren und 
krystallinische Erdphosphate. Die saure Reaction nimmt dann weiter zu, 
wie es scheint auf Kosten der Zersetzung vom Taurin, denn das Taurin 
verschwindet bei längerer Fäulnissdauer und man erhält auf Alkoholzu¬ 
satz Krystalle von schwefelsaurem Natron, während Schwefelsäure in der 
frischen Galle kaum nachweisbar ist. Die Schwefelsäure stammt also, 
wie die schweflige Säure, vom Taurin — Buchner 5. 
Ganz ähnliche Erscheinungen wie bei der Fäulniss der rohen Galle 
zeigen sich, wenn man gereinigte schleimfreie Galle mit Darmschleim ver¬ 
setzt stehen lässt; auch dann wird nach 10—12 Tagen die Galle sauer, 
Essigsäure fällt pflasterartige Gallensäuren und aus dem Filtrat davon 
kann beim Eindampfen Taurin erhalten werden. Jedenfalls ist der Schleim 
das die Zersetzung einleitende Agens; völlig schleimfreie Galle ist nicht 
fäulnissfähig. Dampft man faule alkalische Galle ein, so zeigt sich mit¬ 
unter ein intensiver Geruch nach Trimethylamin, einem Producte, das 
unter dem Einflüsse der Fäulniss aus Lecithin entsteht; auch anhaltendes 
Kochen von Galle mit Barythydrat erzeugt Trimethylamin — Jacobson 6, 
Mauthner 7. 
Demnach sind die Fäulnissproducte der Galle : Kohlensäure, schwef¬ 
lige und Schwefelsäure, flüchtige und feste Fettsäuren, Erdphosphate, 
Ammoniak, Trimethylamin. 
1 Gorup-Besanez, Ann. d. Chemie CXXV. S. 207. 1863, CX. S. 86. 1859. 
2 Derselbe, Untersuchungen über die Galle. Erlangen 1846 und Ann. d. Chemie 
LIX. S. 129. 1846. 
3 Strecker, Ann. d. Chemie LXVII. S. 1. 1848, LXX. S. 166. 1849. Auch Gme- 
lin-Kraut, VII. (3) S. 2048. 
4 Thudichum, Canstatt’s Jahresber. d. Med. 1S64. IL S. 96. 
5 Buchner, Canstatt’s Jahresber. d. Pharm. 1849. S. 246. 
6 Jacobson, Jahresber. d. Thierchemie III. S. 197. 1873. 
7 Mauthner, Ebenda III. S. 59. 1873.
        

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