Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/106/
106 Maly, Chemie der Yerdauungssäfte u. Verdauung. 2. Cap. Magensaft etc. 
gerirt, so zeigt sich bald an einer herausgenommenen Probe, dass 
der Leim sein Gelatinirungsvermögen beim Abkühlen eingebüsst hat; 
schon geringe Säuremengen (z. B. einige CC. HCl von 0.2 °o) genügen 
hierzu. Bei mehr Säure geht die Veränderung noch leichter vor sich, 
und eine Säure mit 4 % HCl soll am besten wirken. Pepsinhaltige 
Salzsäure veranlasst die gleiche Veränderung wie HCl allein, und 
wie es scheint noch schneller, aber immer hängt die Zeit, in der die 
Erstarrbarkeit aufgehoben wird, auch noch von der Sorte des Leims 
ab, mancher verändert sich leichter, anderer schwieriger. Ist die 
Masse so weit dünn geworden, dass sie auch bei gewöhnlicher Tem¬ 
peratur flüssig bleibt (18—48 Stunden), so gibt sie in beiden Fällen 
bei und ohne Anwendung von Pepsin die gleichen Reactionen. Ausser 
dem Verlust der Gelatinirbarkeit hat der verdaute Leim noch die 
Eigenschaft erhalten, durch Membranen diffundirbar zu sein, und 
wird dann als Leimpepton bezeichnet (Metzler & Eckhard1, 
Tatarinoff 2, Uffelmann3). Man weiss nur wenig von diesem 
Körper. Seine Bildung findet auch beim Erhitzen des Glutins mit 
Wasser in zugeschmolzenen Röhren bei 120° oder bei anhaltendem 
'Kochen mit ganz verdünnten Säuren oder Alkalien und endlich bei 
der Fäulniss des Glutins statt. Auch die Behandlung mit Pancreas- 
infus erzeugt ein Leimpepton, dessen Reactionen Schwerer4 näher 
beschrieben hat. Man sieht, dass die Umwandlung des erstarrenden 
Leims zu in der Kälte löslichem Leimpepton denselben Bedingungen 
gehorcht, als die Peptonbildung aus Eiweiss. Leimpepton (mittelst 
Pepsin) zeigt saure Reaction, zerlegt Carbonate und geht mit alkali¬ 
schen Erden Verbindungen ein, die alkalisch reagiren — Tatarinoff. 
Im lebenden Magen eines gastrotomirten Knaben konnte Uffelmann3 
die Bildung von Leimpepton aus Gelatine beobachten: schon nach 
etwa V2 St. war die Gelatinirfähigkeit zum Theil verloren gegangen, 
völlig nach 1 St. Dann war die aus dem Magen genommene Masse 
dünnflüssig, stark sauer und liess nach 5—6 stündiger Diffusion mit 
Sicherheit die Glutinreactionen im Aussenwasser (Leimpepton) con- 
statiren. Das Diffusât wurde gefällt von Chlor, Gerbsäure, Queck¬ 
silbernitrat, Sublimat, Chlorplatin; nur Blutlaugensalz scheint etwas 
anders auf den diffundirten Leim zu wirken. Bei protrahirter Digestion 
mit Magensaft wird Leimpepton weiter zersetzt; trocken stellt es 
eine amorfe Masse dar. 
1 Metzler & Eckhard, Canstatt’s Jahresber. d. Med. 1861.1. 
2 Tatarinoff. Jahresber. d. Thierchemie VIL S. 270. 1S77. 
3 Uffelmann, Ebenda VII. S. 273. 1877. 
4 Schwerer. Jahresber. üb. d. Fortschr. d. ges. Med. 1867.1
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.