Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Näcke: Einge innere somatische Degenerationszeichen bei Paralytikern und Normalen, zugleich als Beitrag zur Anatomie und Anthropologie der Variationen an den inneren Hauptorganen des Menschen. Allgem. Zeitschr. für Psychiatrie 58, S. 1009-1078. 1900
Person:
Umpfenbach
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33709/1/
Literaturberich t. 
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zur Prüfung benutzte Tafel oder entfernt von ihr stellt. Fälschlicherweise 
wurde aus diesem Verhalten früher auf Simulation geschlossen. 
Die Ermüdungseinschränkung fafst Verf. als neurasthenische Er¬ 
scheinung auf. 
Hervorzuheben sind die interessanten Beobachtungen, die Wilbrandt 
über das Verhalten der Erholung der Retina im Dunkelraume gemacht hat. 
Meist sind cutané Anästhesien combinirt mit sensorischen Störungen, 
speciell mit Gesichtsfeldeinengung; diese Combination findet sich bei den 
Fällen, die entweder reine Hysterie sind oder hysterische Züge tragen. 
Diese Combination spricht gegen Simulation, wenngleich die beiden Sym¬ 
ptome keine objectiven Symptome im strengen Sinne des Wortes sind. 
Aber was ist objectiv in der Psychiatrie? fragt Verf. mit Oppenheim. 
Was von den Anästhesien, gilt auch von den hysterischen Lähmungen ; 
sie sind nach Gelenkabschnitten abgegrenzt. Neben der Lähmung findet 
sich oft eine Aufhebung des Muskel- und Lagegefühls. 
Eine grofse Schwierigkeit bietet in nicht seltenen Fällen die Unter¬ 
scheidung der Simulation und Krankheit, da die Symptome meist psychisch 
bedingte, nicht objective sind. Zudem verschieben sich manchmal die 
Grenzen zwischen Krankheit und Simulation so, dafs es nur theoretisch, 
aber nicht praktisch im Einzelfalle möglich ist, eine Entscheidung zu 
treffen. Volle Simulation hält er für selten. 
Die beste Therapie ist, wenigstens in den leichteren Fällen, allmähliche 
Wiedergewöhnung an Arbeit. Wirksamer ist die Prophylaxe. Sie wirkt, 
weil eine Unfallsneurose nicht die notliwendige, unausbleibliche Folge eines 
jeden Unfalls ist. Vor Allem tragen die schon oben erwähnten, psychischen 
Momente zur Entwickelung und Fixirung der Neurose bei, und hiergegen 
mufs man bei Zeiten einschreiten. Der behandelnde Arzt sollte daher 
neurologisch und vor Allem psychiatrisch soweit geschult sein, um die 
psychische Entwickelung der Neurosen zu verstehen. Man mufs sie im 
Keime ersticken, vor Allem jede schädliche Suggestion vermeiden. 
Diese kurze Inhaltsangabe der lesenswerthen Arbeit dürfte für die 
Leser dieser Zeitschrift genügen; aus ihr ergiebt sich, welch gewichtige 
Rolle Verf. den psychischen Factoren bei der Entstehung, Ausbildung, Be¬ 
handlung, Begutachtung der traumatischen Neurosen mit Recht zumifst, 
und eben deshalb erscheint eine so ausführliche Besprechung an dieser 
Stelle durchaus gerechtfertigt. Ernst Schultze (Andernach). 
Näcke. Einige innere somatische Degenerationszeichen bei Paralytikern und 
Normalen, zugleich als Beitrag zur Anatomie und Anthropologie der 
Variationen an den inneren Hauptorganen des Menschen. Allgem. Zeitschrift 
für Psychiatrie 58, S. 1009—1078. 1900. 
Während die äufseren Degenerationszeichen des Menschen seit Langem 
eingehend bearbeitet sind, hat auf innere Degenerationszeichen bisher kaum 
Jemand näher geachtet, wohl aus dem Grunde, weil man sie nur selten bei 
Lebzeiten des Betreffenden zu sehen bekommt. Näcke hat die Frage jetzt 
angeschnitten und Herz, Lunge, Leber, Niere und Milz daraufhin unter¬ 
sucht; er berichtet über 100 und mehr Paralytiker, während er den Befund 
bei psychisch Normalen von Nauwerk erhalten hat. Leider kennen wir
        

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