Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
S. Freud: Ueber den Traum. Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens von Loewenfeld u. Kurella 8, S. 307-344. 1901
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33700/1/
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Literatur bericht. 
wegs. Er macht vielmehr den Versuch, dieselbe durch Annahme eines 
zweiten, katoptrischen Netzhautbildes zu lösen. Es wird überhaupt nicht 
nur die allgemeine Theorie entwickelt, sondern ihre Anwendung zur Er¬ 
klärung der einzelnen Erscheinungen bis ins Einzelne durchgeführt und 
dabei sich ergebende Einwände finden sorgfältige Berücksichtigung. Auch 
sucht Verf. seine Hypothesen dadurch möglichst zu begründen, dafs er 
Folgerungen aus ihnen durch Erfahrungsthatsachen sich bestätigen läfst. 
Insbesondere constatirt er durch Untersuchung von Personen, denen durch 
Staaroperation aus beiden Augen die Linsen entfernt wurden, dafs das 
Auftreten der optischen Inversion in der That an das Vorhandensein der 
Linsen gebunden ist. Die optische Inversion betrachtet er auch als das 
Primäre an der bekannten Täuschung des ZÖLLNER’schen Musters, hei der 
durch die Bildung partieller Wölbungsmaxima der Linse die parallelen 
Längslinien als schräg in die Tiefe laufend empfunden werden, während 
durch die secundär damit gegebene Verschiebung der Netzhautelemente 
ihre scheinbare Divergenz sich noch vergröfsert. Auf die Frage, wie denn 
das Auge dazu komme, ohne das Bedürfnifs der Adäquation von Doppel¬ 
bildern die eigentümliche, zur Erklärung der Täuschung angenommene 
Form der Linsenwölbung hervorzurufen, giebt Verf. freilich nur eine nicht 
recht befriedigende „associationspsychologische Erklärung durch Gewohn¬ 
heit“. Eine richtige wie eine nicht allzu falsche Perspectivzeichnung, 
meint er, reize das Auge, sich gewohnheitsmäfsig so einzurichten, wie es 
sich für den dargestellten Gegenstand accommodiren würde. Derselbe 
Mechanismus, der im Dienst der Bildausgleichung steht, könne ja auch in 
den Dienst der Accommodation treten. Aber gerade das letztere scheint 
bestreitbar. Wenn die Folge der Accommodation nicht Verlagerung aller 
Bildpunkte in eine der Netzhaut möglichst genäherte Ebene, sondern im 
Gegentheil eine Auseinanderziehung in verschiedene Ebenen sein soll, so 
ist es schwer, eine primäre Tendenz des Auges nach solcher Accommodation 
anzunehmen. Dure (Leipzig). 
S. Freud. Ußbßr dßll Träum. Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens von 
Loewenfeld u. Kurella 8, S. 307—344. 1901. 
Im Vordergründe des heutigen Interesses für den Traum steht nach 
Verf. die Bedeutung desselben. Schubert sieht ihn als eine Loslösung der 
Seele von den Fesseln der Sinnlichkeit an, Scherner und Volkelt als Ent¬ 
faltung seelischer Kräfte, welche tagsüber an ihrer Entfaltung verhindert 
sind, Binz als einen unnützen, in vielen Fällen krankhaften Zustand. 
Freud wandte auf die Träume ein Verfahren an, das aus der Psycho- 
theiapie stammt, und das ihm bei der Lösung von Phobien, Zwangsideen, 
Wahnideen u. s. w. gute Dienste geleistet hatte. Es betrifft eine Auf¬ 
deckung der dem Bewufstsein verhüllten Associationswege, durch welche 
die krankhaften Ideen mit dem übrigen seelischen Inhalte verbunden sind. 
Fr. läfst sich von dem Kranken alle möglichen Einfälle erzählen, die zu 
seiner fixen Idee in Beziehung stehen. Er gewinnt dadurch psychisches 
Material, welches deutlich an die krankhafte Idee anknüpft. Die Lösung 
besteht nun darin, dafs die krankhafte Idee durch eine neue ersetzt wird,
        

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