Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
X. Raspail: Les ruses maternelles chez les animaux. Rev. scient. 16 (3), 80-84. 1901
Person:
Giessler
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33693/1/
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Literaturbericht. 
Dugas. L’entêtement: Etnde psychologique. Rev. philos. 51 (6), 581—569. 1901. 
Die Starrköpfigkeit erscheint in zwei Formen, einer positiven und einer 
negativen. Häufiger ist sie eine „nolonté“ als „volonté“. Der Starrköpfige 
thut das nicht, was er in seiner innersten Seele für natürlich und vernünftig 
hält. Er will keinem Anderen weichen, noch gehorchen. Er sucht Vernunft¬ 
gründe für sein Handeln, errichtet sich ein System der Führung, das er 
bis zum Aeufsersten befolgt. Die Starrköpfigkeit ist eine Eigenliebe, 
welche die natürlichsten Gefühle überschreitet, ihnen nicht folgen will, 
der es aber niemals gelingt, sie zu unterdrücken. Es besteht eine Analogie 
zwischen dem Starrköpfigen, welcher sich darauf steift, nicht zu wollen, 
was er wünscht, und dem Abulischen, welcher handeln will, aber nicht 
kann. Im Grunde genommen fehlt beim Starrköpfigen der eigentliche 
Wille: er sträubt sich gegen das Fassen eines Plans. Er ist ein langsamer 
Geist. Dabei braucht es ihm nicht an Kraft, Gewissenhaftigkeit und Tiefe 
zu fehlen. Er w7ill seines Willens doppelt sicher sein. In diesem Falle 
folgt er ihm. Er möchte weniger ein bestimmtes Ziel erreichen, als viel¬ 
mehr die Unabhängigkeit seines Willens sich bewahren. 
Die Starrköpfigkeit ist aber auch etwas Positives. Sie offenbart sich 
als ein roher Wille mit schrecklichen Ausbrüchen. Ebenso wie der Starr¬ 
köpfige sich weigert, den einfachsten Entschlufs zu fassen, ergreift er ohne 
Zaudern den phantastischen, der seinem Charakter und Geschmack am 
meisten entgegengesetzt ist. Er wird zum Maniakalischen. Er vergeudet 
alsdann in einem Augenblick, was er an Kraft angesammelt hatte. Er 
fühlt sich gezwungen zu handeln, wenn er sich noch nicht überzeugt hat, 
sich zu entschliefsen, wenn er seinen Entschlufs noch nicht gefafst hat. 
In summa ist der Wille des Starrköpfigen charakterisirt durch die 
Schwierigkeit, sich zu entfalten, und durch die Leichtigkeit, mit welcher 
er sich den gröfsten Excessen hingiebt. 
Es folgen noch Vergleiche zwischen dem Starrköpfigen und Schmieg¬ 
samen. Giessler (Erfurt). 
X. Kaspail. Les ruses maternelles chez les animaux. Rev. scient 16 (3), 
80—84. 1901. 
Der vorliegende etwas dürftige Bericht bezieht sich ausschliefslich auf 
Kaninchen, Hasen und Rehe. Viele derartige Thatsachen sind den Jägern 
sehr wohl bekannt, und es ist zu bedauern, dafs die Thierpsychologen bis¬ 
her so wenig Erkundigungen bei diesen Praktikern eingezogen haben. 
Giessler (Erfurt).
        

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