Bauhaus-Universität Weimar

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Der ästhetische Werth der niederen Sinne. 
Von 
Johannes Volkelt. 
1. V enn man die verschiedenen Gruppen der Sinnesemphn- 
dungen auf die Bedeutung hin prüfen will, die sie für das ästhe¬ 
tische Verhalten haben, so mufs man zunächst, wenn nicht Ver¬ 
wirrung entstehen soll, eine gewisse Unterscheidung machen. Es 
kommen in dem ästhetischen Betrachten und Geniefsen mannig¬ 
faltige Empfindungen vor, die doch nicht zu dem ästhetischen 
Gegenstand gerechnet werden können. Angesichts dahin¬ 
eilender Wolken, auffliegender Lerchen, eines sich dahinwälzenden 
Stromes kann unser Miterleben einen so hohen Grad erreichen,, 
dafs es in uns zu gewissen Streckungsempfindungen, wenn auch 
nur spur- und ansatzweise, kommt. Besonders bei heftigen und 
überraschenden Bewegungen entsteht im ästhetischen Betrachter 
leicht ein von wirklichen Empfindungen begleitetes Miterleben. 
Wenn wir im Circus den jagenden Pferden, den springenden 
Künstlern mit betrachtendem Auge folgen oder Zuschauer eines 
FeueiWerkes sind, so spüren wir oft in uns so etwas wie Buck, 
Diängen nach vorwärts oder seitwärts, Hemmung, Biegung, 
Schweben und dgl. Zuweilen setzen sich diese Empfindungen 
geradezu in Bewegungen etwa der Arme, des Kopfes, des 
Rumpfes um. So wichtig nun auch diese Empfindungen für 
das ästhetische Geniefsen sein mögen : keinesfalls gehören sie zu 
der sinnlichen Erscheinung des ästhetischen Gegenstandes. 
Es wäre unsinnig, zu Wolke, Strom, Pferd, Feuerwerk unsere 
fetieckungs-, Spannungs-, Bew^egungsempfindungen mit zu rechnen. 
So zeifallen denn die ästhetisch in Frage kommenden Em¬ 
pfindungen in gegenständliche und in zuständliche. Als 
zuständliche bezeichne ich die zum ästhetischen Miterleben ge¬ 
hörenden, als gegenständlich die den ästhetischen Gegenstand
        

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