Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge einer Farbentheorie
Person:
Oppolzer, Egon Ritter von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33690/5/
Grundzüge einer Farbentheorie. 
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empfindungsstärken oder Elementarhelligkeiten, fixirt ist. 
Daraus ergiebt sich sofort, dafs die Stärke der resultirenden 
Empfindung H durch die Länge des Abstandes des Punktes JE 
vom Ursprünge 0 des Coordinatensystems ermittelt werden kann. 
Wir wollen die Empfindungsstärke mit dem Begriffe der Hellig¬ 
keit identificiren. Die resultirende Helligkeit H ist also durch 
die Helligkeiten der Elementarempfindungen gegeben, wie folgt : 
H = Y x2 -f- y~ + 2'2. 
Wir wollen daran festhalten, dafs Helligkeit in stets rein 
psychologischem Sinne gebraucht werden soll, im Gegen¬ 
sätze zu dem nun bald auftretenden Begriffe Intensität, 
welcher nur in rein physikalischem Sinne verstanden werden 
soll.1 Ferner wird die Strecke OE, deren Länge ein Maafs 
für die Helligkeit ist und die einen Vector vorstellt, eine Dichtung 
im Raume besitzen, die von dem gegenseitigen Verhältnisse der 
Elementarhelligkeiten x, y und z abhängt. Diese Richtung 
definirt die Qualität der Empfindung. Die Qualität selbst ist 
wieder eine zweifache Mannigfaltigkeit und, wie wir später sehen 
werden, liegen alle Empfindungsqualitäten gleichen Tones in 
Ebenen, die gleicher Sättigung in bestimmten Flächen. 
Diese Darstellung „höherer“ Empfindungen und ihre Zu¬ 
sammensetzung aus den einfachen Elementarempfindungen kann 
naturgemäfs auf alle anderen Sinnesgebiete übertragen werden. 
Sie beruht auf der complexen Zusammensetzung differenter 
Elementarempfindungen und drückt das Princip, das ich das 
Princip der complexen Zusammensetzung diffe¬ 
renter Elementarempfindungen nennen möchte, aus. 
Dieses Princip gestattet nicht nur aus den Elementarempfindungen 
die Qualität der complexen Empfindung zu definiren, sondern 
auch ihre Stärke, ihre Helligkeit. Ferner zeigt es, dafs schon 
zwei Elementarerregungen ein ganzes Qualitäts bereich schaffen. 
Eine Empfindung E, die durch zwei Elementarempfindungen 
(Dichromat) mit den Stärken x und y hervorgerufen wird, stellt 
sich als ein Punkt in der complexen Zahlenebene dar, dessen 
Coordinaten x und y sind, durch: 
E = x • e1 —j— y • 60 • 
Den unendlich vielen durch den Ursprung gezogenen Geraden 
1 Es entspricht diese Bezeichnungsart auch der yon H. Ebbinghaus in 
seinen Grundzügen der Psychologie angewendeten.
        

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