Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge einer Farbentheorie
Person:
Oppolzer, Egon Ritter von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33690/21/
Grundzüge einer Farbentheorie. 
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Wellenlänge, so fällt die Voraussetzung; denn zwei gleichhell 
aussehende heterogene Lichter werden, wenn wir jede ihrer Inten¬ 
sitäten auf das Doppelte steigern (d. h. soviel als wir mischen 
zu gleichaussehendem beiderseits gleichaussehendes —), ungleich 
hell. Ob es aber physiologisch möglich ist, dafs derselbe End¬ 
apparat für verschiedenartiges Licht auch verschiedene Empfind¬ 
lichkeiten besitzen kann, erscheint doch sehr fraglich und un¬ 
wahrscheinlich. Jedenfalls genügt es vor der Hand für die Ele¬ 
mentarempfindungen, welche ja nur farblose Helligkeitsunter¬ 
schiede liefern, die Empfindlichkeiten als unabhängig von der 
Wellenlänge anzusehen. 
Die photographische Platte zeigt z. B. die Ungültigkeit 
unserer Voraussetzung; zwei heterogene Lichter, die gleiche 
Schwärzungen erzeugen, erzeugen bei verdoppelter Lichtinten¬ 
sität verschiedene Schwärzungen. Doch erscheint mir die Er¬ 
klärung dieser dem PüßKiNJE’schem Phänomen analogen Er¬ 
scheinung darauf zu beruhen, dafs die Platte aus unendlich 
vielen Elementen von ganz verschiedenen Empfindlichkeiten zu¬ 
sammengesetzt ist. Wir werden in der Folge sehen, dafs aie 
Empfindlichkeiten A für jede Elementarempfindung unserer Ge¬ 
sichtsempfindungen verschieden ist, und dafs das Purktnje sehe 
Phänomen gerade darin seine Ursache hat, ebensowie auch die 
Abweichungen vom NEWToVschen Mischungsgesetze und die 
Wanderung des neutralen Punktes der Dichromaten. Sollte aber 
sich heraussteilen, dafs die Empfindlichkeiten auch von der 
Wellenlänge abhängen, so bin ich derzeit nicht im Stande eine 
Mischformel anzugeben. 
(Eingegangen am 20. Mai 1902.)
        

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