Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundzüge einer Farbentheorie
Person:
Oppolzer, Egon Ritter von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33690/1/
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Grundzüge einer Farbentheorie. 
Von 
Prof. Dr. Egon Ritter von Oppolzer, Innsbruck. 
I. Abschnitt. 
Allgemeine Grundlagen. 
§1. Einleitung. 
Nennen wir eine Elementarempfindung eine Empfindung, 
die auf eine Erregung einer einzelnen Opticusfaser hin im Be- 
wufstsein rege wird, so nimmt die hier nun zu erörternde 
Farbentheorie an, dafs die Empfindung einer Farbe nur dann 
eintritt, wenn wenigstens zwei Elementarempfindungen ver¬ 
schmolzen in das Bewufstsein treten, und dafs sofort jede 
Farbenempfindung aufhört, wenn bei der Reizung blofs eine 
Elementarempfindung psychisch wirkt. Im letzteren Falle tritt 
die farblose Grau-Weifsempfindung, die in der Folge immer als 
die Weifsempfindung kurzweg bezeichnet werden soll, auf. Die 
Empfindung der Farbe entsteht durch Zusammenwirken wenigstens 
zweier farbloser Empfindungen, aber in Folge der Ver¬ 
schmelzung dieser gelangt die zusammengesetzte Natur der 
Farbenempfindung nicht direct zur Beobachtung. Zwei oder 
mehrere Elementarempfindungen müssen nämlich immer voll¬ 
ständig verschmelzen, wenn ein bestimmter Reiz stets gleich¬ 
zeitig diese isolirten Erregungen hervorruft ; denn es ist dann 
eine psychische Trennung ausgeschlossen. Kann ein Reiz aber 
auch blos eine einzige von diesen erregen und die anderen un¬ 
erregt lassen, so wird dann beim Zusammenwirken der Elementar¬ 
empfindungen die Verschmelzung nicht mehr so vollkommen 
eintreten. Aus diesem Grunde wird man annehmen müssen, 
dafs im Gebiete der Gesichtsempfindungen, das scheinbar so ein¬ 
heitliche Empfindungen aufweist, die Elementarempfindungen 
nur äufserst selten isolirt Vorkommen. Soweit ich die Er-
        

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