Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Müllerschen Lehre von den spezifischen Sinnesenergien
Person:
Minkowski, Eugen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33583/1/
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Zur Müllerschen Lehre von den spezifischen 
Sinnesenergien. 
Von 
Dr. med. Eugen Minkowski. 
„Was und wie viel dann zu rügen 
seyn werde, ich habe mir genug ge- 
than, wenn ich so viel leistete, dafs 
man über diese Versuche zu dem 
Besseren fortschreitet.“ 
Johannes Müller. „Zur vergleichenden 
Physiologie des Gesichtssinnes.“ 
Seitdem die Lehre von den spezifischen Sinnesenergien ent¬ 
standen ist, ist sie, namentlich ihr philosophischer Inhalt im 
Anschlufs an verwandte philosophische Lehren einer eingehenden 
Kritik unterzogen worden. Aber auch gegen ihre Anwendbar¬ 
keit in der Sinnesphysiologie sind, besonders von Wundt, schwer¬ 
wiegende Gründe angeführt worden. Trotzdem finden wir die 
Lehre von den spezifischen Sinnesenergien (in vielen Fällen wäre 
es eigentlich richtiger zu sagen — den Ausdruck „spezifische 
Sinnesenergien“, denn von der ursprünglichen MüuLEKschen 
Lehre ist aufser dem Namen und den Tatsachen, die zu ihrer 
Aufstellung geführt haben, so gut wie gar nichts geblieben) in 
den meisten physiologischen Lehrbüchern, und, wie ich das an 
mir selbst erfahren habe, ist man als Anfänger häufig geneigt 
allerlei durch die spezifischen Sinnesenergien für erklärt zu 
halten, was eigentlich einer physiologischen Erklärung erst harrt ; 
dabei ist man aber meistens über den Inhalt und die Konse¬ 
quenzen dieser Lehre nicht im Klaren. Ich bin mir wohl be- 
wufst, dafs ich in den folgenden Seiten wenig Neues bringe; ich 
war bei dieser Arbeit vor allem von dem Bedürfnis geleitet, mir
        

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