Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Funktion der Netzhaut beim Sehakte: Eine biophysikalische Hypothese
Person:
König, Berthold
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33518/1/
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Die Funktion der Netzhaut beim Sehakte. 
Eine biophysikalische Hypothese. 
Von 
Dr. Berthold König-, Göding. 
Das schwierige Problem des Sehens ist trotz der vielfachen 
Behandlung von der Seite berühmter Physiker, Physiologen und 
Philosophen noch immer nicht völlig gelöst worden und in 
manchem Teile der grofsen Kette von Vorgängen, die zwischen 
den Energieerscheinungen des Objektes, dem Lichtstrahlengange, 
dem Bilde auf der Netzhaut, der Erregung des Sehnervenendes, 
der Weiterleitung des Eindruckes zum Gehirne und dem 
Projizieren nach Aufsen verlaufen, herrscht noch Dunkel. Es 
sei nun hier versucht, einige Gedanken über den Sehakt, soweit 
er sich in der Netzhaut vollzieht, zum Ausdrucke zu bringen, 
wobei ich gleich erwähnen mufs, dafs ich nur eine neue Hypothese 
der Gesichtssinneseindrücke geben will, die einer Bestätigung 
aus dem Kreise der Praktiker, der Physiologen und Augenärzte, 
bedarf. 
Das wichtigste Teilorgan des Gesichtssinnes ist die Netzhaut, 
die in ihrem Aufbaue eine aufserordentlich feine Technik und, 
wie ihr Querschnitt unter dem Mikroskope dartut, eine höchst 
komplizierte Schichtung aufweist. Die Rolle dieser Netzhaut¬ 
schichten, welche wie zierliche Glieder eines allerfeinsten Mechanis¬ 
mus ineinandergreifen, soll von einem ganz neuen Standpunkte 
betrachtet werden, und es soll zu diesem Zwecke zunächst ein 
schematischer Querschnitt der Netzhaut, wie er bei starker Ver- 
gröfserung erscheint, beigegeben werden. In Figur I lassen sich 
11 Schichten erkennen: 1. Pigmentschichte, 2. Stäbchen- und 
Zapfen schichte, 3. Begrenzungsmembran, an zahlreichen Stellen 
von den Nervenfasern der Stäbchen und Zapfen durchbrochen, 
4. Körnerschichte. Jedes Korn ist mit einem Stäbchen oder
        

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