Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einige Bemerkungen über die Wirkung von Santonin auf die Farbenempfindungen: Eine Antwort an Herrn Vaughan [anläßlich Vaughans Artikel "Einige Bemerkungen über die Wirkung von Santonin etc.", Zeitschr. f. Sinnesphysiol., 1907, Bd. 41, S. 399-407]
Person:
Sivén, V. O.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33504/3/
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V. 0. Sivên. 
wurde, würde nach Vaughan darauf beruhen, dafs es nur bei 
schwächerer Beleuchtung hervortritt und hierin läge auch die 
Erklärung zu Nagels und meinem tatsächlichen Widerspruche. 
Vaughan untersuchte daher das Phänomen näher bei wech¬ 
selnder Lichtintensität1 und findet, dafs bei ziemlich schwacher 
Beleuchtung dasselbe Ergebnis wie bei den Versuchen mit Tages¬ 
licht erhalten wurde, d. h. der mittlere Fleck konnte weifs ge¬ 
sehen werden. Bei Erhöhung der Lichtstärke perzipiert die 
Makula schwach gelb und bei starker Intensität des Lichtes er¬ 
scheint das fixierte weifse Papierblättchen ebenso gelb wie die 
übrigen Blättchen. 
Mir scheint jedoch Vaughans Versuchsanordnung nicht 
ganz glücklich gewesen zu sein, da er künstliche Beleuchtung 
anwandte und das künstliche Licht. bekanntlich nie so rein weifs 
zu erhalten ist wie das Sonnenlicht. Bei starkem Sonnenlicht 
konnten v. Wendt und ich konstatieren, dafs in der Santonin¬ 
vergiftung die Makula fortfahrend weifs perzipiert. Ganz be¬ 
liebig tritt das Phänomen bei vollständig lichtadaptiertem Auge 
hervor und ist in keiner Weise vom Adaptionszustande des Auges 
abhängig. Auch Vaughan findet, dafs die Santonin Vergiftung 
durchaus nicht auf die Dunkeladaption influiert. 
Aber selbst, wenn die Beobachtung Vaughans, dafs bei 
starker Lichtintensität auch die Makula Sitz von Farbenstörungen 
sei, richtig wäre, was ich aus oben angeführten Gründen nicht 
als völlig bewiesen ansehen kann, so ist doch sowohl durch 
v. Wendts und meine als jetzt zuletzt durch Vaughans und 
Nagels Versuche festgestellt, dafs Netzhautperipherie und Makula 
sich während der Santoninvergiftung verschieden verhalten. Mit 
logischer Notwendigkeit ist aus diesem Tatbestand der Schlufs 
zu ziehen, dafs das Santonin in erster Eeihe die Netzhautelemente 
angreift, die sich in der Peripherie befinden, die Elemente in 
der Makula aber frei läfst. Und dieses Verhalten läfst sich 
durchaus nicht durch die v. KRiESsche Duplizitätstheorie er¬ 
klären. — 
Wenn nun — wie v. Kries und seine Schule behaupten — 
nur die Zapfen den chromatischen Apparat bildeten, so wäre zu 
erwarten, dafs die durch das Santonin hervorgerufene Farben- 
1 Die Beleuchtung wurde durch eine Projektionsbogenlampe erzeugt.
        

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