Bauhaus-Universität Weimar

(Aus der königlichen Universitätsklinik für Augenkranke, Berlin. 
Direktor Geh.-Rat v. Michel.) 
Unvollkommene 
Farbenblindheit bei Sehnerverkrankung. 
Von 
Dr. H. Köllner, 
Assistent der Klinik. 
In der königlichen Universitätsklinik für Augenkranke gelangte 
Ende des vergangenen Jahres folgender Fall zur Beobachtung, der 
mir zur Veröffentlichung von Herrn Stabsarzt Collin in liebens¬ 
würdiger Weise zur Verfügung gestellt wurde. 
Herr cand. med. W. bemerkte seit dem 31. November, dafs 
das Sehvermögen auf dem rechten Auge ziemlich stark gesunken 
ist. Er gibt an, vor einiger Zeit eine Reihe alkoholischer Exzesse 
begangen zu haben. 
Befund am 3. Dezember. Das linke Auge ist normal. Rechts 
reagiert die Pupille auf Lichteinfall sehr träge, sonst sind keine 
Abweichungen vom normalen zu erkennen. 
Das Sehvermögen ist auf dem rechten Auge auf Finger¬ 
zählen in 20 cm gesunken, es besteht eine Myopie von 4,0 D, 
linkes Auge: — 4,0 Du. — cyl 0,5 D || S = l. Am Perimeter 
ist rechts ein zentrales absolutes Skotom nachweisbar. 
Die Allgemeinuntersuchung ergibt keinen pathologischen 
Befund. Von seiten des Nervensystems sind ebenfalls, abgesehen 
von einem leichten Tremor manuum keine Störungen nachzu¬ 
weisen. 
Am 10. Dezember erscheint die rechte Sehnervenpapille 
leicht ödematös, das Sehvermögen beträgt Fingerzählen in 80 cm. 
Mit dem Perimeter ist ein zentrales absolutes Skotom nachweisbar,
        

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