Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. Claparède: L'obsession de la rougeur à propos d'un cas d'éreutophobie. Arch. de psychol. de la Suisse romande 1 (3), S. 307-334. 1902
Person:
Platzhoff-Lejeune
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33478/1/
Literaturbericht. 
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Lad. Haskovec. Contribution à la connaissance des idées obsédantes. Bevue 
neurolog. 9 (7), 330—349. 1901. 
Die kleine Arbeit beschäftigt sich mit dem Wesen und der nosologi¬ 
schen Stellung der Zwangsvorstellungen, über deren Eigenart seit Griesingeh’s 
und Westphal’s grundlegenden Beobachtungen viel discutirt wird. Beruhen 
sie auf primärer Störung des Vorstellungs- oder des Affectlebens ? Sind sie 
den zwangsmäfsigen Angstzuständen, sogen. Phobien, verwandt oder gar 
wesensgleich? 
Verf. hat 100 in Frage kommende Krankheitsfälle durchmustert und 
bei der grofsen Mehrzahl dieser den Affect als die Ursache festgestellt; 
nur für wenige Fälle blieb die Entscheidung unsicher. Die ursprüngliche 
Trennung im Sinne der deutschen Autoren soll daher aufrecht erhalten 
bleiben, im Gegensatz zu der Lehre von Pitbes und Régus, welche Zwangs¬ 
vorstellung und Phobie einander gleichsetzen. Verf. giebt an der Hand 
von 5 Beispielen eine der herrschenden Auffassung etwa entsprechende 
Eintheilung. Kalmus (Lübeck). 
E. Claparède. L’obsession de la rongeur à propos d’an cas d’éreutophobie. 
Arch, de psychol. de la Suisse romande 1 (3), S. 307—334. 1902. 
Es handelt sich hier zunächst um Prägung des Terminus. Eulenbubq 
schlug Rubor essentialia vor, Pitres und Regis Erythrophobie, Boucher 
Erythemophobie. Darauf nahmen Pitras und Regis schliefslich die letztere 
Bezeichnung als gültig für die „Furcht vor der rothen Farbe“ an und be- 
zeichneten die „Furcht vor der Gesichtsröthe“ als Ereuthophobie, gegen 
Friedländer, der an der Erythrophobie festhält. — Es ist gut, dafs die alten 
Griechen stumm und die neuen geduldig sind: sind wir doch in keiner 
Sprache so freigebig und schnellfertig mit Neologismen, als in der helleni¬ 
schen! Woher nehmen nur einige Gelehrten das Recht, sie als todte Sprache 
zu bezeichnen? Sie ist im Gegentheil wieder so lebendig geworden, dafs 
die Alten unsere hellenisirenden Aerzte und Psychologen schwerlich noch 
verstanden. 
Um die Furcht vor der Gesichtsröthe handelt es sich also, nicht um 
diese selbst, und hier liegt das eigentliche Problem. Erzeugt die Furcht 
die Röthe, oder die Röthe die Furcht? Was ist Ursache, was Wirkung? 
Claparède möchte sich hier nur für den Einzelfall so oder anders ent¬ 
scheiden und besonders das Element der Scham, d. h. die Bewufstheit 
der Röthe, die meist durch tactlose Bemerkungen aus der Umgebung genährt 
wird, mit in Betracht ziehen. Angenommen, die Röthe sei primär, die 
Furcht secundär, was wohl die Mehrzahl der Fälle ausmachen wird, so 
steigert doch jedenfalls die Furcht vor der Röthe das physische Phänomen, 
ebenso wie die Gleichgültigkeit diesem letzteren gegenüber abschwächend 
darauf einwirkt. Die Heilungsversuche hätten demnach in den meisten 
Fällen auf der psychologischen Seite einzusetzen und dem Patienten das 
häufige Vorkommen und die Bedeutungslosigkeit seines Leidens klar zu 
machen, um in ihm das Gefühl der Gleichgültigkeit seiner Umgebung gegen¬ 
über zu stärken. Was hier durch Unwissenheit und Rücksichtslosigkeit 
.selbst durch nahestehende Angehörige verschuldet wird, ist. unberechenbar. 
Wie intensiv, bis zum Selbstmord treibend, das Leiden ist und wie 
Zeitschrift für Psychologie 30. 30
        

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