Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vaschide, N. et Vurpas, Cl.: Psychologie du délire dans les troubles psychopathiques. Paris, Masson et Cie.
Person:
Schultze, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33476/1/
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Li teraturberich t. 
die Extreme, indem bald eine „hypertention“, bald eine „bypotenfciön 
artérielleu zu dem gleichen Effect führen »oll. Beine auf obigen Vor¬ 
stellungen auf gebaute „doctrine mécaniste" löst mit geringer Schwierigkeit 
das Schlafproblem ; nur für gewisse Fälle von Schlaflosigkeit soll die dem 
Verf. nicht sonderlich zusagende „toxische Theorie" in Geltung bleiben. 
Wir übergehen die Abschnitte, die von den Störungen im Bereich des 
Verdauung»- und Urogenitalapparates handeln. Hier, wo der Verf. ganz 
Arzt ist, sind seine Ausführungen ein wandsfrei und genussreich. Der dia¬ 
gnostischen wie therapeutischen Seite wird erschöpfend Rechnung getragen. 
Das farbenreiche Bild der Sexual-Neurasthenie ist mit französischer Dar¬ 
stellungskunst gezeichnet. 
Die drei folgenden Capital sind dem eigentlichen Geisteszustand der 
Neurastheniker gewidmet. In langen Auseinandersetzungen wird der für 
deutsche Leser überflüssige Beweis erbracht, dafs „die Neurasthenie vor 
Allem eine Krankheit des Nervensystems ist, mit secundären Störungen 
der Verdauung und Ernährung“ (S. 225). Es wird nochmals die psycho¬ 
logische Gegensätzlichkeit zur Hysterie erörtert Hier Störung des psychi¬ 
schen Geschehens durch Vorstellungseinflüsse, dort durch das Wirken der 
Ermüdung. Daher die Unzugänglichkeit der Neurastheniker für Suggestionen 
und die Wirksamkeit körperlich - roborirender Behandlung. Die depressive 
Grundstimmung der Neurastheniker wird aus dem mehr oder weniger deut¬ 
lichen Bewufstwerden der körperlichen Unzulänglichkeit erklärt. Der Mecha¬ 
nismus sei etwa folgender: Ein Arbeitsexcefs oder schwächende Einflüsse 
sind vorangegangen. Die graue Rinde verfällt in einen Zustand von „Hypo¬ 
vitalität". Die Gesammternährung der Körperorgane leidet; dadurch ver¬ 
mindert sich deren Leistungsfähigkeit. Die sensiblen Nerven geben dem 
Gehirn von „diesem functioneilen Elend" Kunde und der Mensch wird 
traurig. Aus der gleichen Quelle werden die übrigen Stigmata der neur- 
asthenischen Geistesverfassung hergeleitet: der hypochondrische Hang, die 
Todesfurcht, die Grübelsucht, die Neigung zur Selbstunterschätzung, die 
reizbare Schwäche u. s. w. Ob eine derartige grob - mechanisch vereinfachte 
Erklärung den wechselnden und complicirten Verhältnissen der neurastheni- 
schen Seelenveränderung gerecht wird, möchte Ref. bezweifeln. Neben 
vielem Anderen bleibt unerklärlich, warum die allgemeine Herabsetzung 
der Leistungsfähigkeit die intellectuellen Functionen unberührt lälsL 
Keinesfalls trifft die Theorie für die constitutioneile Neurasthenie zu, die 
einen angeborenen Zustand darstellt. Eine strengere Scheidung dieser von 
der erworbenen Form wäre am Platze gewesen. 
Das Buch schliefst mit einer umfassenden Schilderung des viel¬ 
gestaltigen antineu ras then ischen Heilverfahrens. Kalmus (Lübeck). 
Vaschide, N. et Vubpas, Cl. Psychologie di délire dans les trouble* psycho¬ 
pathiques. Paris, Masson et Cie. 
Eine historisch-kritische Studie über die Entwickelung der Lehre vom 
délire, unter dem die Franzosen die Störungen des Vorstellungszusammen¬ 
hangs, von der Verwirrtheit und Ideenflucht bis zu den systematisirten 
Wahnideen der Paranoiker verstehen, mit besonderer Berücksichtigung des 
psychologischen Mechanismus, der Genese und der symptomatologischen 
Bedeutung. Ebnst Schultzs (Andernach).
        

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