Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die vom Weiß ausgehende Schwächung der Wirksamkeit farbiger Lichtreize mit Anschluß einer Mitteilung des Herrn Prof. Dr. G. E. Müller
Person:
Révész, Géza
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33410/16/
Über d. vom Weifs ausgehende Schwächung d. Wirksamkeit färb. Lichtreize. H7 
Farbe besteht, von denen sich das eine auf weifsem, das andere auf schwarzem 
Grunde befindet.“ 
„Untersucht man nun, wie sich der Ton der verschiedenen Farben 
einerseits bei objektivem und andererseits bei subjektivem Weifszusatz 
ändert, so zeigt sich unter anderem folgendes.“ 
„Gelbrot und Gelbgrün nähern sich bei objektivem Weifszusatze dem 
Urrot bzw. Urgrün1, bei subjektivem Weifszusatze dagegen dem Urgelb.“ 
„Violett nähert sich bei subjektivem und noch viel mehr bei objek¬ 
tivem Weifszusatze dem Urrot. Auch der Ton von Grünblau ändert sich 
bei beiden Arten des Weifszusatzes in der gleichen Richtung, nämlich in 
der Richtung eines weniger bläulichen Grün.“ 
„Um die eigentümliche Tatsache zu erklären, dafs der objektive Weifs¬ 
zusatz auf Gelbrot und Gelbgrün einen entgegengesetzten Einflufs ausübt 
wie der subjektive Weifszusatz, mufs man sich dessen erinnern, dafs infolge 
der nutritiven Minderwertigkeit, welche der Rotgrünsinn gegenüber dem 
Gelbblausinn zeigt (man vgl. Z. f. Psychol. 14, 369 f.), eine Abschwächung 
eines gelbroten oder gelb grünen Lichtes die Folge hat, dafs die Rötlichkeit 
bzw. Grünlichkeit gegenüber der Gelblichkeit mehr hervortritt. Dieser 
Einflufs der Lichtabschwächung auf den Farbenton der langwelligen Lichter 
ist bekanntlich so stark, dafs in einem Sonnenspektrum, dessen Lichtstärke 
sehr herabgesetzt ist, Rot und Grün unmittelbar aneinander zu stofsen 
scheinen. Wir können also sagen: der objektive Weifszusatz wirkt auf den 
Farbenton der kurzwelligen Lichter in der gleichen Richtung wie eine 
äufsere Abschwächung derselben.“ 
„Hiernach liegen folgende Anschauungen nahe. Wenn wir den Einflufs 
des subjektiven Weifszusatzes auf den Farbenton untersuchen, so haben 
wir es mit einer Art unmittelbaren Einflusses des Weifs (der achro¬ 
matischen Prozesse oder Erregungen) auf das Hervortreten der Farben zu 
tun. Derselbe geht dahin, innerhalb gewisser Grenzen bei zunehmender 
Weifsliehkeit das Gelb gegenüber dem Rot oder dem Grün mehr hervor¬ 
treten zu lassen. Bei dem objektiven Weifszusatze dagegen haben wir es 
aufser mit diesem unmittelbaren Einflüsse auch noch mit einem mittel¬ 
baren Einflüsse zu tun, d. h. einem Einflüsse, den das weifse Licht inso¬ 
fern ausübt, als bei seiner Einwirkung auf die Netzhaut zugleich ein Vorgang 
eintritt, welcher die erregende Wirkung gleichzeitig gegebener chromatischer 
Lichtreize schwächer ausfallen läfst. Diese Herabsetzung der erregenden 
Wirkungen chromatischer Lichtreize wirkt in der gleichen Richtung wie 
eine physikalische Herabsetzung der betreffenden Lichter, macht sich also 
bei den langwelligen Lichtern im Sinne eines stärkeren Hervortretens des 
Rot oder des Grün gegenüber dem Gelb geltend. Allerdings ist nach den 
von Ihnen gefundenen Resultaten zur Kompensierung des schwächenden 
Einflusses, den ein bestimmter objektiver Weifszusatz auf den chromatischen 
Erregungseffekt ausübt, beim Gelb eine etwas (ungefähr im Verhältnisse 
1,2 : 1,35) geringere Verstärkung des farbigen Lichtes nötig als beim Rot 
oder Grün. Dieser Unterschied kommt jedoch gegenüber dem starken Ein¬ 
flüsse, den innerhalb der hier in Betracht kommenden Grenzen eine 
1 Dies trat auch bei meinen Versuchen hervor.
        

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