Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vaschide et Vurpas: Le délire de métaphysique. Rev. scient. 16 (6), 171-176. 1901
Person:
Kramer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33374/1/
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Literaturbericht. 
liehe Begriff der psychischen „Verwachsung“, deßBen sich Gboos bedient, 
schuld ist. 
Das Capital über die ästhetischen Illusionen giebt dem Verf. Gelegen* 
heit, mit vielberufenen ästhetischen Theorien der Gegenwart, vor Allem mit 
Langb’s Lehre von der bewufsten Selbsttäuschung in Fühlung zu treten. 
Gboos anerkennt die Thatsache der ästhetischen Elusion und unterzieht sie 
eingehender psychologischer Analyse. Es ist jedoch für seine Auffassung 
wesentlich, dafs er in der Illusion, so nahe ßie ihm auch verwandt ißt mit 
der inneren Nachahmung, keineswegs den Kern des ästhetischen Verhaltens 
erblickt. — 
Damit glaube ich die Hauptgedanken des neuen Buches gekennzeichnet 
zu haben. Auf die überaus mannigfaltigen Details einzugehen, ist an dieser 
Stelle natürlich ausgeschlossen. Doch ist es meine Pflicht, ausdrücklich 
darauf aufmerksam zu machen, dafs sich in ihnen, wie übrigens von Gboos 
nicht anders zu erwarten war, vielseitige, reiche Erfahrung mit tiefem Ver¬ 
ständnis verwerthet findet. Im Ganzen wird das Buch wegen seiner überall 
wenigstens im Prineip festgehaltenen richtigen und strengen Methode der 
heutigen Aesthetik gewifs nützlich sein; aber auch der Psychologe wird 
aus mancher eigenthümlichen These des Verf.'s Anregung zu schöpfen 
haben. Witasek (Graz). 
Vaschide et Vübfas. Le délire i© métaphysique. Rev. scient. 16 (6), 171—176. 
1901. 
Die Verff., deren Bestreben hauptsächlich dahin geht, tiefer in die 
Logik der Geisteskranken und die Genese der Wahnideen einzudringen, 
stellen im Anschlnfs an einen Fall ein neues Krankheitsbild unter dem 
Namen „délire de métaphysique“ auf, das dadurch charakterisirt ist, dais 
das ganze Geistesleben des Patienten ausschließlich auf die Frage nach 
dem Wesen der Dinge, nach den Endursachen und dem Endziele der Welt 
gerichtet ist. Der zu Grunde liegende Fall betrifft einen 36 jährigen P&t, 
der bis zu seinem 32. Jahre nichts Abnormes gezeigt hatte. Um diese Zeit 
wurde er in einem Duell schwer verwundet; und als er von dem mehr¬ 
wöchentlichen schweren Krankenlager, während dessen er viel von Todes¬ 
furcht geplagt wurde, auf stand, zeigte er eine tiefgreifende Veränderung 
seines Wesens. Während er vorher fast aussehliefslich einem ziemlich 
oberflächlichen gesellschaftlichen Leben hingegeben war, zog er sich jetzt 
von allem zurück und beschäftigte sich nur noch mit metaphysischen und 
astronomischen Fragen. Er häufte darauf bezügliche Bücher und Instru¬ 
mente auf, ging aaf Reisen, um Sternwarten zu besuchen etc., und dies 
alles machte er in einer so sprunghaften, ungeordneten, hastigen, nirgends 
Genüge findenden Weise, dafs der krankhafte Charakter dieser Beschäfti¬ 
gung deutlich zu erkennen war. Seine bisherige oberflächliche Bildung 
gab ihm auch nicht die Möglichkeit, das Aufgenommene geordnet zu ver¬ 
werten; und trotzdem zwang ihn seine krankhafte Neigung stets wieder 
zum Grübeln über dieselben Fragen, zum vergeblichen Suchen einer Lösung 
derselben. Den Todesgedanken, denen der Pat vor und nach dem Duell 
so sehr hingegeben war, legen die Verff. für die Entstehung des Krank- 
heitsbildes eine grofs© Bedeutung bei. Kbamkb (Breslau).
        

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