Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
R. Simon: Zur Bedeutung des einseitigen Nystagmus für die Lehre von den Augenbewegungen. Centralblatt für praktische Augenheilkunde, 26. Jahrg. 1902
Person:
Piper, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33361/1/
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Litwa turbericht 
R. Simon. Zur Bedeutung des einseitigen Kystagmus für die Lehre von den 
Aügenbewegungen. Centraïblatt für praktische Augenheilkunde, 26. Jahrg. 
1902. 
Hering führt zur Begründung des von ihm aufgestellten Gesetzes von 
der von Geburt an zwangsinäfsigen Verbindung und stets gleichmäfsigen 
Innervation beider Augen, unter anderem mit an, dafs die Nystagmus-Be- 
wegungen stets doppelseitig auftreten und gleichsinnig gerichtet sind. 
Von den Fällen von einseitigem Nystagmus, welche gegen das Ge¬ 
setz Hering’s und dessen Begründung angeführt worden sind, können nur 
solche als einwandsfrei gelten, bei welchen eine Affection der Centren für 
die Augenbewegungen und deren gegenseitige Verbindung durch die den 
Nystagmus verursachende Schädlichkeit ausgeschlossen werden kann. Denn 
selbstverständlich ist normale Beschaffenheit des anatomischen Substrates 
Vorbedingung für die normale Function des im obigen Gesetz bezeichneten 
physiologischen Mechanismus. 
Dagegen sprechen diejenigen Fälle von einseitigem Nystagmus, bei 
welchen eine während des Lebens erworbene, rein auf den Bulbus be¬ 
schränkte Erkrankung einseitigen Nystagmus im Gefolge hat, gegen die absolut 
strenge Gültigkeit des HERiNG’schen Gesetzes. Wenn z. B. nach traumatischer 
Hornhauttrübung, wohl in Folge der mangelhaften Seheindrücke ein „reflec- 
torischeru Nystagmus sich einstellt, und nach Besserung der Bulbusaffection 
zurückgeht, so mufs für dessen Genese zweifellos eine lockerere Verbindung 
zwischen beiden Augen angenommen werden, als Hering’s Gesetz in obiger 
Fassung zuläfst. Es werden zwei derartige Fälle mitgetheilt. An eine 
Affection der Nervenleitung und der Centren ist bei solchen Fällen wohl 
kaum zu denken, zumal die associirten Augenbewegungen normal verliefen. 
Dafs letzteres trotz Nystagmus sehr wohl möglich ist, zeigt besonders 
deutlich ein dritter Fall (Multiple Sclerose) ; bei diesem liefsen trotz beider¬ 
seitigem — übrigens verschiedenzeitig aufgetretenem und der Bewegungs¬ 
richtung nach verschieden geartetem — Nystagmus, die associirten Augen¬ 
bewegungen keine Anomalie erkennen. H. Piper (Berlin). 
G. Alexander u. A. Kreidl. Heber die Beziehungen der galvanischen Reaction 
zur angeborenen und erworbenen Taubstummheit Archiv für die gesummte 
Physiologie 89, 475—492. 1902. 
An 114 Taubstummen wurde geprüft, ob bei galvanischer Querdurch- 
strömung des Kopfes normale Reaction ein trat oder nicht, d. h. ob bei 
Stromschlufs Neigung des Kopfes zur Anode, bei Stromöffnung zur Kathode 
erfolgte, oder ob diese Erscheinung ausblieb. Die Statistik ergab folgendes: 
Bei der angeborenen Taubstummheit Überwiegen die Fälle mit normaler 
Reaction (68,8 °/0), bei der erworbenen solche mit Reactionsausfall (71,1%). 
Dieses Symptom ist also als differential - diagnostisches Hülfsmittel ver- 
werthbar. Die Sectionsstatistik von Mygind hat ergeben, dafs bei Fällen 
von congenitaler Taubstummheit in 35,3 % schwere anatomische Verän¬ 
derungen im Vestibularapparat zu finden sind, bei später Ertaubten da¬ 
gegen in 85 °/0. Danach besteht zwischen dem Ausfall der galvanischen 
Reaction und der Schwere der pathologisch - anatomischen Veränderungen 
im Vestibularapparat ein Zusammenhang der Art, dafs bei Nichtvorhanden-
        

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