Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Abwehr einer Kritik des Herrn Storch [im Centralbl. f. Nervenheilk. u. Psychol., Octoberheft, anläßlich der Herausgabe zweier Abhandlungen Zehenders über optische Täuschungen (Zeitschr. f. Psychol. u. Physiol. d. Sinnesorg., 1899 u. 1900, Bd. 20 u. 24) als besondere Schrift]
Person:
Zehender, W. von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33347/1/
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Zur Abwehr einer Kritik des Herrn STORCH. 
Von 
Professor W. von Zehender, 
Obermedicinalrath (Eutin). 
Meine in den Bänden XX und XXIV (1899 und 1900) dieser 
Zeitschrift veröffentlichten beiden Abhandlungen über optische 
Täuschungen habe ich, mit Genehmigung der Herausgeber und 
des Verlegers, neuerdings als eine besondere Schrift erscheinen 
lassen. Diese besondere Schrift hat in dem Octoberheft des 
Centralblattes für Nervenheilkunde und Psychologie eine so imgewöhn¬ 
lich abfällige Kritik erlitten, dafs ich den .Lesern der Zeitschrift, 
zugleich auch der Zeitschrift selbst, die meine Arbeit der Ver¬ 
öffentlichung werth geachtet hat, einige Worte der Abwehr 
schuldig zu sein glaube. 
Der Verfasser dieser Kritik behauptet, die Erfahrung Volk¬ 
mann’s, auf welche sich meine Arbeit stützt: 
„die Diameter, welche parallel erscheinen, divergiren ohne 
Ausnahme nach oben“ 
lasse sich in anderer Form auch so ausdrücken: 
„dafs wirklich parallele Linien nach oben zu convergiren 
scheinen“ 
Die logische Richtigkeit dieser Umformung der Worte Volk- 
mann’s hat noch Niemand bestritten und wird vielleicht Niemand 
bestreiten, dafs sie aber realiter richtig sei, ist experimentell 
noch nie bewiesen worden, und kann überhaupt gar nicht experi¬ 
mentell bewiesen werden. 
Mir scheint, die vorliegende Differenz beruht lediglich auf 
einem Wortstreit, und darauf näher einzugehen habe ich weder 
di© Absicht noch auch die Neigung. 
Also zur Sache! 
Das Wort parallel bedeutet ein aus den Anfangsgründen 
der Geometrie hinreichend bekanntes Verhalten zweier Linien 
zu einander. — Zwei Linien kann man zwar sehen — das ist 
Zeitschrift für Psychologie 80. 28
        

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