Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dispositionspsychologisches über Gefühlscomplexionen
Person:
Saxinger, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33346/18/
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Robert Saxhujzr. 
eingeräumt werden können, dafs hinsichtlich der Qualität und 
Intensität gleichen oder ähnlichen Einzelgefühlen auch gleiche 
oder ähnliche Totalgefühle entsprechen müfsten. Wie nun 
Witasek gezeigt hat, können aus einer gegebenen Anzahl von 
Bestandstücken verschiedenerlei Complexionen gebildet werden.1 
Die verschiedenen, aber auf gleichen Inferiorenvorstellungen auf¬ 
gebauten Complexionsvorstellungen müfsten also nach der Total¬ 
gefühlstheorie von gleichen oder ähnlichen Gefühlen begleitet 
sein, weil ja die gleichen Inferiorenvorstellungen stets gleiche 
oder ähnliche Gefühle hervorbringen. Erfahrungsgemäfs ist es 
aber für das Gefühl keineswegs gleichgültig, zu welcher Com¬ 
plexion die Bestandstücke zusammengefafst werden, genauer, 
welche Superiusvorstellung durch die Inferiorenvorstellungen pro- 
ducirt wird. Man denke nur an den polyphonen Tonsatz. Die 
minder musikalisch Veranlagten hören zwar eine der vielen mög¬ 
lichen Complexionen, aber wahrscheinlich nicht die richtige, d. h. 
die vom Componisten beabsichtigte. Die falschen Productionen 
werden vielleicht auch Gefühlsreactionen hervorbringen. Diese 
stehen jedoch in keinem Vergleiche zu denen, die auf richtig voll¬ 
zogene Productionen folgen. Wie man sieht, richtet sich das Com- 
plexionsgefühl nach der jeweiligen Complexionsvorstellung, ob¬ 
gleich die zu den Bestandstücken gehörigen Gefühle sich gleich oder 
ähnlich bleiben. Zweitens: Was die Intensität des Totalgefühles 
betrifft, so wird zugestanden werden, dafs unbeschadet eines be¬ 
liebig grofsen Spielraumes die Intensitätsverhältnisse der Einzel¬ 
gefühle doch wenigstens insoweit für die Intensität des Total¬ 
gefühles von Belang sein müfsten, als äufserst schwache Partial¬ 
gefühle zur Bildung kräftiger Totalgefühle kaum ausreichend 
befunden werden könnten. Noch weniger aber wird man an 
die Entstehung eines Totalgefühles glauben können, wenn die 
Superiusvorstellung durch Production aus gleichgültigen, also 
gefühlsfreien Inferiorenvorstellungen hervorgegangen ist Ein 
Beispiel wird zur Erläuterung dienen. Man pflegt das Sympathie¬ 
gefühl häufig als das Ergebnifs mehrerer oder vieler zusammen¬ 
wirkender Gefühle hinzustellen. Das ist nun nicht richtig. Wenn 
wir uns einmal fragen, wieso es denn kommt, dafs uns diese 
oder jene Person sympathisch ist, und die einzelnen Eigen- 
1 Vgl. Witasek. „Beiträge zur Psychologie der Complexionen Zeit¬ 
schrift f. Psychologie 14 (6\ S. 412 ff.
        

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