Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dispositionspsychologisches über Gefühlscomplexionen
Person:
Saxinger, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33346/13/
Dispositionspsychologisches über Gefühîscomplexionen. 
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zwei Möglichkeiten, nämlich von Coexistenz und Zusammen¬ 
setzung der Gefühle, Erwähnung gethan wurde. Möglicherweise 
wird man noch die Anführung einer anderen Eventualität rück- 
sichtlich des Verhaltens zusammentreffender Gefühle vermissen. 
In dieser Beziehung könnte allenfalls die von manchen vertretene 
Behauptung, dafs sich Lust und Unlust beim Zusammentreffen 
im Bewufstsein gegenseitig compensirten, Lust und Lust bezw. 
Unlust und Unlust sich verstärkten, in Betracht gezogen werden. 
Gesetzt, es gäbe wirklich so etwas wie Compensation entgegen¬ 
gesetzter Gefühle und Verstärkung (Summirung) gleichartiger 
Gefühle, so steht doch soviel fest, dafs die Gefühle, die sich 
compensiren, bezw. verstärken sollen, doch irgendwie eine enge 
Verbindung eingehen, kurz einen Vermengungsprocefs durch¬ 
machen müfsten. Und das, was nach der Compensation übrig 
bliebe, bezw. was aus der Verstärkung resultirte, das wäre wohl 
kaum anders, denn als ein Totalgefühl aufzufassen. Compen¬ 
sation und Verstärkung der Gefühle bildeten also streng ge¬ 
nommen einen Specialfall der Gefühlszusammensetzung. Nach¬ 
dem sich überdies, wie später gezeigt werden soll, die That- 
bestände, hinter denen man Compensation, bezw. Verstärkung 
der Gefühle vermuthet, in viel einfacherer Weise erklären lassen, 
so ist es jedenfalls richtig, nur die zwei von uns bereits ins 
Auge gefafsten Möglichkeiten für das weitere Verhalten zu¬ 
sammentreffender Gefühle zu berücksichtigen. 
§ 3. 
Die Gefühle a und b können, wie wir gesehen haben, ohne 
innigere Verbindung einfach neben einander existiren. Ein solches 
Zusammensein (Coexistenz) von a und b ist, wie ebenfalls bereits 
berührt, noch nicht das, was auf die Bezeichnung Totalgefühl 
Anspruch erheben könnte. Ein Totalgefühl würde erst dann 
vorliegen, wenn a und b ihre Selbständigkeit einbüfsten und an 
ihrer Stelle etwa in Folge eines Verschmelzungsvorganges ein 
Gefühl c entstände.1 Es fragt sich nun, ob solche Gefühls¬ 
bildungen (Gefühîscomplexionen) wirklich verkommen. Diese 
Frage ist in der Psychologie zumeist bejaht worden. Man hat 
sich mehr oder minder daran gewöhnt, die Lehre von der Ge- 
1 S. oben § 1. 
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