Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Analyse der Gesichtswahrnehmungen. Dritte Abhandlung: Der Successivvergleich [und] Schluß
Person:
Schumann, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33344/1/
241 
(Aus dem Psychologischen Institut der Universität Berlin.) 
Beiträge zur Analyse der Gesichtswahrnehmungen. 
Von 
F. Schumann. 
Dritte Abhandlung. 
Der Successivvergleich. 
(Mit 23 Fig.) 
I 
§ 1. Ueber die Vorgänge, welche beim Successivvergleich 
stattfinden, liegt bekanntlich schon eine Theorie vor, nach welcher 
■wir von zwei zu vergleichenden Raumgröfsen die eine in der 
"Vorstellung auf die andere übertragen sollen. Betrachten wir 
also z. B. zuerst eine Linie A mit voller Aufmerksamkeit und 
dann nach Verdeckung von A eine zweite (gröfsere oder kleinere) 
Linie B, so soll ein von A zurückbleibendes Vorstellungsbild 
gleichsam auf B gelegt werden, und wir sollen dann zusehen, 
wie weit das eine Bild das andere überragt. 
Nun pflegt man ja ganz allgemein vorauszusetzen, dafs 
immer, wenn wir zwei successive Eindrücke mit einander ver¬ 
gleichen, beim Eintritt des zweiten Eindrucks noch ein be- 
wufstes Vorstellungsbild vom ersten Eindruck vorhanden ist. 
Dafs diese Annahme mit den Ergebnissen der inneren Wahr¬ 
nehmung nicht in Uebereinstimmung steht, habe ich schon früher 
an anderer Stelle hervorgehoben (Zeitschr. f. Psychol 17, S. 118). 
Da aber mein Widerspruch nicht anerkannt ist, sehe ich mich 
genöthigt, ihn hier ausführlicher zu begründen. 
Auf den verschiedensten Sinnesgebieten habe ich zahlreiche 
Versuche über die Unterschiedsempfindlichkeit nach der Methode 
der richtigen und falschen Fälle angestellt, aber eigentlich nie 
beim Eintritt des zweiten Eindrucks feststellen können, dafs 
noch ein bewufstes Vorstellungsbild des ersten vorhanden war. 
Im Gegentheil habe ich bei besonders darauf gerichteter Auf- 
ZeiUchrift für Psychologie 30. 16
        

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