Bauhaus-Universität Weimar

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Literaturbericht. 
F. Thüly. Soul Substance. Philos. Review 11 (1), 16—25. 1902. 
Sofern wir unter „Substanz“ nur eine logische Kategorie verstehen 
(nämlich das Subject, dem die Prädicate zugeordnet werden) ist der Begriff 
nicht Gegenstand des Streites. Dieser beginnt erst dort, wo wir den Sub¬ 
stanzbegriff mit realem Inhalt füllen, indem wir ihn entweder auffassen als 
das relativ constante Element innerhalb eines Complexes von Elementen 
oder als selbständige von ihren Eigenschaften isolirbar zu denkende 
Entität. Die erste dieser beiden Bedeutungen kann nun durchaus auf das 
Seelenleben Anwendung finden: jene synthetische Function, durch welche 
„Ich“ „mich“ bei jedem Bewufstseinsprocefs hinzudenken mufs, um ihn als 
„meinen“ zu erfassen, ist unaufhebbares Element in allem Bewufstseins- 
leben und als solches „Substanz“. Nennt man dagegen das Ich oder den 
Willen „Substanz“ im Sinne einer qualitätslosen, von allen Bewufstseins- 
qualitäten ablösbaren Wesenheit, so hypostasirt man eine logische Ab¬ 
straction und treibt reine Metaphysik. W. Stebn (Breslau). 
E. Clapabède. La psychologie dais ses rapports avec la médecine. Rev. médi¬ 
cale de la Suisse romande Nr. 10, October 1901. 
Verf. spricht in einem Vorträge über die Beziehungen zwischen 
Psychologie und Medicin. Die ablehnende Haltung, die eine nicht unbe¬ 
deutende Zahl von Medicinem noch heute der Psychologie gegenüber ein¬ 
nehmen, ist zumeist darauf zurückzuführen, dafs sie die Psychologie nicht 
in genügender Weise kennen. Dies zeigt u. A. das Beispiel Mirallié’s, der 
die Medicin als eine „science d’observation“ der Psychologie als einer 
„science de raisonnement“ gegenüberstellt und darum meint, dafs wohl die 
letztere von der ersteren, aber nicht die erstere von der letzteren etwas 
lernen könne. Verf. erinnert nun im Besonderen daran, dafs die Psycho¬ 
logie ebenfalls eine Beobachtungswissenschaft ist und ferner, dafs den 
psychischen Thatsachen mindestens ebendieselbe Realität zukomme, wie 
den Thatsachen der Aufsenwelt. Dem Zusammenarbeiten der beiden 
Wissenschaften ist die Anschauung zu Grunde zu legen, dafs psychische 
und physische Processe heterogener Natur sind, dafs aber beide in der 
durch den psychophysischen Parallelismus ausgedrückten Beziehung stehen. 
Der Vortheil des Zusammenarbeitens beider Wissenschaften liegt auf beiden 
Seiten. Die Medicin mufs sich bei der Beurtheilung abnormer geistiger 
Zustände auf die Kenntnifs der normalen Psychologie stützen ; ferner kann 
auch die Psychologie der medicinischen Diagnostik und Therapie Dienste
        

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