Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Lipps: Einheiten und Relationen. Eine Skizze zur Psychologie der Apperzeption. Leipzig, J. A. Barth, 1902. 106 S.
Person:
Wirth, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33330/6/
L itéra tar bericht. 
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eines Ineinanderfliefsens der Töne selbst. Nur kann man hier das gemein¬ 
same und die widerstreitenden Elemente an den Tönen aufserhalb dieser 
apperzeptiven Vereinheitlichung nicht herauslösen, also auch nicht bei der 
zum Ähnlichkeitsbewufstsein notwendigen gesonderten Apperzeption des Ver¬ 
glichenen. Erst durch die Vereinheitlichung selbst ergibt sich so etwas 
wie eine Abteilung der verbundenen rhythmischen Prozesse der im Be- 
wufstsein zwar kontinuierlichen Tonempfindungen, mit Heraushebung eines 
gemeinsamen Grundrhythmus aus der Zahl der gleichfalls möglichen 
Einteilungen bezw. im Gegenteil mit innerem Widerstreite. Es besteht 
somit kein Bewufstsein der Ähnlichkeit, sondern nur der Vereinheitlichung 
schlechthin, d. h. eine Forderung oder Ablehnung der apperzeptiven Ver¬ 
einheitlichung überhaupt auf Grund jenes nur während dieser selbst erleb¬ 
baren Zusammenpassens der aufeinander bezogenen Tonrhythmen. Zu 
dieser Theorie, mit welcher Verf. über die einfache Phänomenologie hinaus¬ 
gegangen ist, stimmen endlich auch noch Analogieen aus anderen Gebieten, 
insbesondere eine ähnliche Wirkung der sog. Farbenharmonien. 
Wilhelm Wirth (Leipzig). 
Melchior Palaoyi. Der Streit der Psychologisten und Formalisten in der 
modernen Logik. Leipzig, W. Engelmann, 1902. 93 S. Mk. 2,00. 
Man braucht in dieser Schrift nicht gar viel gelesen zu haben, um zu 
merken, dafs sie ihrem Titel im Grunde nicht entspricht, nämlich dafs es 
sich in ihr eigentlich nicht um den Streit der Psychologisten und Formalisten 
überhaupt handelt, sondern nur um meinen Streit gegen die Psychologisten 
in den seit 1900 erschienenen „logischen Untersuchungen“. Der „formalis¬ 
tischen Tendenz in der modernen Logik“ (5), der „schroffen rückläufigen 
Bewegung, die den Streitruf: Los von der Psychologie! auf ihre Fahne 
schreibt“, die „formalistische Gefahr“ eines „unfruchtbaren dürren For¬ 
malismus“ (1) — will der Verf. entgegentreten. So lesen wir es ganz all¬ 
gemein in der Einleitung. Aber da wdr alsbald auch hören, dafs Bolzano 
als „der eigentliche Urheber des modernen Formalismus in der Logik" zu 
betrachten sei und uns erinnern, dafs Husserl bislang der einzige moderne 
Logiker ist, der seine Überzeugungen in wesentlichen Punkten an Bolzanos 
Wissenschaftslehre angeknüpft hat; da wir ferner bemerken, dafs der Verf. 
keinen anderen Formalisten nennt, vielmehr seine Angriffe teils in eigenen 
Kapiteln, teils in Form überall eingestreuter Ausfälle einzig und allein auf 
Husserl bezieht: so müssen wir für diese Schrift die Gleichung ansetzen: 
moderne Formalisten = Husserl. Wenn ich mich nun durch die Gehässig¬ 
keit des vom Verf. leider beliebten Tones nicht abhalten lasse, der freund¬ 
lichen Aufforderung des verehrten Herausgebers d. Z. nachzukommen, und 
diese Schrift zu rezensieren, so geschieht dies, um die Pflichten zu er¬ 
füllen, die jeder ernste Arbeiter gegen sein Werk hat, es entstellenden 
Angriffen nicht preiszugeben. Dem herrschenden Strom logischer und 
erkenntnistheoretischer Überzeugungen stellen sich meine logischen Unter¬ 
suchungen als ein zum mindesten unbequemes Hindernis in den Weg. 
Wohl begreiflich, dafs eine Schrift, die, wie die vorliegende, energisch 
versichert, das Hindernis beiseite geschafft oder als nichtig erwiesen zu 
haben, auf billige Lorbeeren rechnen kann, dafs sie vorhandene Neigung
        

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