Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Lipps: Einheiten und Relationen. Eine Skizze zur Psychologie der Apperzeption. Leipzig, J. A. Barth, 1902. 106 S.
Person:
Wirth, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33330/5/
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Literaturberich t. 
in denen zum Gegenstand eine Vorstellung bezw. ganz allgemein ein 
psychisches Geschehen in Beziehung steht. Vorstellung und Vorgestelltes 
müssen zum Verständnis dieser Unterscheidung scharf auseinandergehalten 
werden. Hierher gehören vor allem sämtliche symbolische Beziehungen, 
in denen ein Gegenstand, z. B. ein gehörtes Wort, zum Vollzug der Be¬ 
deutungsvorstellung nötigt oder das unmittelbare Bewufstsein ihrer „Hinzu¬ 
gehörigkeit'4 erzeugt, ohne Dazwischentreten eines reflektiven Erschliefsens 
oder bewufsten Wissens eines tieferen Zusammenhanges. Der nötigende 
Zusammenhang ist natürlich jeweils ein anderer bei der Wortbedeutung, 
beim „Meinen" von Gegenständen in Vorstellungserlebnissen und bei den 
verschiedenen Arten der ästhetischen Relation. Aufser dieser „Aufnötigung" 
von Vorstellungen sind auch noch eine gröfsere Zahl anderer unmittelbarer 
Abhängigkeitsbeziehungen dieser Art auf gezählt. 
Unter den „assoziativ bedingten Relationen zwischen Gegenständen44 
treten nun erst die empirischen und apriorischen Beziehungen heraus, also 
die Relationen der erfahrungsgemäfs oder intuitiv erkennbaren tatsäch¬ 
lichen, allgemeinen und notwendigen Zuordnung, bezw. der logischen 
Negation einer zwar denkbaren, aber unwirklichen Verbindung. Auch 
hier betrachtet Verf. die empirisch allgemeinen Notwendigkeitsbeziehungeil 
als die rein und ungestört erhaltenen einfachen empirischen Beziehungen, 
welche ohne den Widerspruch neuer Erfahrungen ohne weiteres nicht nur 
als allgemeiner Grund, sondern sogar als Bedingung des mit ihnen einmal 
Assoziierten bewufst sind. 
Als letztes objektiv bedingtes Apperzeptionserlebnis ist das Bewufst¬ 
sein der qualitativen Einheit und Relation behandelt. Ähnlich¬ 
keit s - und Verschiedenheitsbevrufstsein sind stets ein passiv 
hingenommener Erfolg des besonderen Tuns des Vergleichens, 
d. h. der in der Vereinheitlichung des ganzen Vergleichsaktes gesonderten 
qualitativen Apperzeption der beiden Vergleichsobjekte. SowTeit die 
Apperzeptionen gesondert bleiben, besteht für uns Verschiedenheit, soweit 
aber ein Gemeinsames im Gesamtakte als nur einmal apperzipiert 
erscheint und die Unterakte hierin ineinander „überfliefsen“, besteht für 
uns Ähnlichkeit, jeweils verschiedenen Grades. Eine Variation ergibt sich 
vor allem noch je nachdem das Gemeinsame, bezw. Verschiedene, hin¬ 
sichtlich dessen dann die Ähnlichkeit bezw. Verschiedenheit besteht, 
innerhalb seines Objektes leichter oder schwerer herauszusondern ist. Im 
Anschiufs hieran trennt Verf. in einer für die Psychologie der Unterschieds¬ 
empfindlichkeit wichtigen Präzision das nur mehr oder weniger entschiedene 
Bewufstsein der blofsen Verschiedenheit beim Vergleichen „im 
Ganzen44, -wobei der „Zuwachs44 nicht als ein besonderes Element 
innerhalb des Vergleichsobjektes hervortritt, von dem Bewufstsein des 
„Unterschiedes44 beim „teilenden Vergleichen“, in -welchem jene 
Herauslösung des Differenzbetrages stattfindet. Sowreit auch der nicht in 
den gegenständlichen Inhalten selbst liegende allgemeine Erregungs¬ 
charakter mit in die Apperzeption hineingenommen wird, kann natür¬ 
lich auch er eine qualitative Beziehung begründen. Schliefslich erscheint 
auch das Konsonanzbewufstsein den Tönen gegenüber als ein be¬ 
sonderes Erlebnis der qualitativ gerichteten Einheitsapperzeption, nicht
        

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