Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Lipps: Einheiten und Relationen. Eine Skizze zur Psychologie der Apperzeption. Leipzig, J. A. Barth, 1902. 106 S.
Person:
Wirth, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33330/3/
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Literaturbericht. 
„Meinens“ sozusagen den lebendigen Kontakt mit den Gegenständen selbst 
zu erhalten, wie dies auch für das ganz in dem Gegenständlichen lebende 
Phantasieren gilt, ohne sich von dieser ausschliefslichen Richtung nach 
„aufsen“ zur Gewinnung eines reflektiven Bewufstseins vom Grade des Ge¬ 
lingens abbringen zu lassen. Am weitesten entfernt sich von ihr die rein 
subjektiv gerichtete oder „psychologische Apperzeption,“ welche 
ohne Rücksicht auf den „gemeinten" Gegenstand die Vorstellung als solche 
mit ihren rein psychologischen Eigenschaften betrachtet. Von ihr ist das 
Subjektivitätsbewufstsein als Erfolg einer „objektiven Apperzeption des 
Subjektiven“ in dem schon früher erwähnten Sinne als Erfolg einer 
Messung des Subjektiven am Gegenstände scharf zu unterscheiden. Des 
Genaueren ist die gewöhnlich sogenannte psychologische Bewufstseins- 
analyse die entsprechende subjektive Abart der qualitativ gerichteten 
Apperzeption, welche von der quantitativen und wertenden unter¬ 
schieden und mitsamt diesen nach den genannten Gesichtspunkten der 
Gegenstands- und psychologischen Apperzeption eingeteilt wurde, wobei 
diese Einteilung hinsichtlich der Quantität und Wertung dem objektiven 
und subjektiven Quantitäts- und Wertgefühl in Kapitel VII der vorigen 
Schrift entspricht. Die empirierte Apperzeption läfst ferner durch An¬ 
wendung des Gesichtspunktes der empirischen Herkunft bei der „Gegen¬ 
standsapperzeption“ Wirklichkeit und Phantasiegebilde unterscheiden, bei 
der „psychologischen Apperzeption“ aber die schon oben erwähnte per¬ 
ceptive Freiheit und Gebundenheit gegenüber den Erinnerungsbildern bezw. 
den Wahrnehmungen. 
Im übrigen handelt nun die ganze Schrift ausschliefslich von der 
apperzeptiven Vereinheitlichung des Gegenständlichen oder den Ein¬ 
heiten, wie es auch der Voranstellung dieser besonderen Relation auf 
dem Titel entspricht. Die bereits oben charakterisierte Beschreibung des 
Einheitsbewufstseins wird hierbei im 2. Kapitel in einer Betrachtung der 
allgemeinen Merkmale der „Relationen zwischen Gegenständlichem“ zu¬ 
nächst ergänzt durch die Analyse der apperzeptiven Gliederung im Mehr- 
heitsbewufstsein, das sich nicht auf blofse simultane Apperzeption 
yon Mehrerem zurückführen läfst, wodurch eben niemals das Bewufstsein 
der Einheit in der Mehrheit konstituiert werden könnte. Als Hanpt- 
gegensätze der Relation erscheinen dann vor allem wieder die ob¬ 
jektive und subjektive, wobei auch die „objektive“ Vereinheitlichung 
nur einer „Aufforderung“ des Gegenständlichen entspricht, aber nicht selbst 
etwas Gegenständliches ist. Ferner wird die positive und negative 
Relation unterschieden oder die Relation des Zusammen oder der Einheit¬ 
lichkeit bezw. des Auseinander oder der Gegensätzlichkeit, wobei es sich 
wieder um ausschliefsliche und vermittelte Gegensätze handeln kann. 
Innerhalb der einfachen Grundrelation des Zusammen, die alles 
Beliebige zu umfassen vermag, kann nun das vereinigte Mannigfaltige mehr 
oder weniger im apperzeptiven Gleichgewicht stehen, dessen volle 
Erreichung nur einen idealen Grenzfall bildet, oder in bestimmter Weise 
einander über- und untergeordnet sein. Dabei schliefst dieses Zu¬ 
sammen immer zugleich eine negative Relation gegenüber der Umgebung 
in sich, die als apperzeptive Heraussonderung aus derselben erst
        

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