Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Lipps: Einheiten und Relationen. Eine Skizze zur Psychologie der Apperzeption. Leipzig, J. A. Barth, 1902. 106 S.
Person:
Wirth, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33330/2/
Literaturbericht. 
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Gefühl des unmittelbar erlebten Ich in seinen verschiedenen Modi¬ 
fikationen behandelt wurde, steht hier das dritte Hauptelement im 
Mittelpunkte der Betrachtung, welches die subjektive und objektive Seite 
des Bewufstseins gewissermafsen erst zu dem wirklich erlebten Ganzen des 
Gesamtbewufstseins in allen seinen Teilen vervollständigt oder die Ver¬ 
bindung zwischen beiden Seiten herstellt. Dieses dritte Element besteht 
ganz allgemein in den Relationen oder Beziehungen. Diese sind 
zunächst Weisen, wie ich mich, in meinem Apperzipieren, auf Gegen¬ 
ständliches bezogen finde, und, wie ich Gegenständliches auf mich bezogen 
finde. Die bezeichnete Abgrenzung beider Schriften ist u. a. schon in der 
vorigen Schrift S. 10 ausgesprochen in dem Satze: „Und dies Bezogensein 
nenne ich nicht mehr ein Gefühl. Es ist nicht mehr eine unmittelbar Vor¬ 
gefundene Bestimmtheit meiner, sondern eben ein Bezogensein meiner auf 
einen Gegenstand“. Die umfassende Bedeutung dieser Relationserlebnisse 
besteht aber ferner besonders darin, dafs auch der Zusammenschlufs 
der gegenständlichen Inhalte zu der Einheitlichkeit, in der 
sie in allen ihren Teilen fortwährend von uns gedacht wird, in allen seinen 
Modifikationen als Spezialfall dieses dritten Elementes erscheint. Alle diese 
Einheiten beruhen als Relationen zwischen Gegenständlichem nur darauf, 
dafs Gegenständliches in meinem Apperzipieren und durch 
dasselbe aufein a n.d er bezogen erscheint. Abgesehen v on diesen 
vereinheitlichenden Apperzeptionserlebnissen besteht das rein Gegen¬ 
ständliche nur in seinen mannigfaltigen, einfach daseienden Qualitäten, zu 
denen die Einheitlichkeit somit nicht zugehört, worüber man sich ins¬ 
besondere auch nicht durch den Begriff der „Gestaltsqualitäten“ hinweg¬ 
täuschen lassen darf. Will man den Begriff der „fundierten Inhalte“ auf 
die Relationen anwenden, so ist „das letzte und allgemeinste Fundament 
der Relation jederzeit das Ich, das unmittelbar erlebte Subjekt“. In der 
ganzen Schrift ist der rein phänomenologische Gesichtspunkt der Bewmfst- 
seinsanalyse als Hauptsache hervorgekehrt. 
Im ersten Kapitel sind nun zunächst die „einfachen Beziehungen 
meiner auf Gegenständliches“ behandelt, die sämtlich als Modi¬ 
fikationen der „Grundrelation“ zwischen dem im Gefühl unmittelbar er¬ 
lebten Ich und den gegenständlichen Inhalten erscheinen, durch wrelche 
diese Inhalte eben erst meine Bew^ufstseinsinhalte sind. Als eine 
besondere Form dieser Grundrelation, als ein „spezifischeres Bezogensein“ 
erscheint die besondere Beachtung, Heraushebung, Aneignung in der 
Apperzeption. Insofern all diesen Modifikationen zugleich wichtige 
Grundgegensätze des Ichgefühls entsprechen, steht vor allem dieses erste 
Kapitel mit jener ersten Schrift in besonders engem Zusammenhang. Auch 
hier wfird das Wichtigste über aktive und passive, objektive und subjektive 
Apperzeption rekapituliert. Der selbständigeren Bedeutung der Gegen¬ 
stände für das verbindende Glied zwischen ihnen und dem Ich ent¬ 
spricht nur ihre genauere Aufzählung in vier Hauptgruppen der empiri¬ 
schen G., oder des „Erkannten“ im engeren Sinne, der intuitiven G., 
wie sie den apriorisch notwendigen Urteilen zu Grunde liegen, der 
Phantasie-G. und der imaginären G. Bei allen diesen Gegenständen 
sucht die „reine Gegenstandsapperzeption“ iin Erlebnis des
        

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