Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Lipps: Einheiten und Relationen. Eine Skizze zur Psychologie der Apperzeption. Leipzig, J. A. Barth, 1902. 106 S.
Person:
Wirth, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33330/1/
Literaturb er i chi. 
falls einer Eigentümlichkeit der tatsächlichen dispositioneilen Wertungs¬ 
grundlage, und zwar hier ihrem „Umfange“ in der Persönlichkeit entspricht, 
wird endlich noch die Tiefe des Gefühles hervorgehoben. Auch hier 
kann Verf. für alle Einzelheiten auf seine bisherigen Werke, insbesondere 
„Komik und Humor“, sowie auf seine demnächst zu erwartende Ästhetik 
verweisen. 
War nun im vorigen Kapitel mehr an die in den Gegenständen selbst 
liegenden Gefühlsbedingungen gedacht, so behandelt das 8. Kapitel unter 
den „Arten der Gefühlsbeziehungen“ diejenigen Gefühle, welche aus den 
schon oben immer den Gegenständen gegenübergestellten psychologi¬ 
schen Beziehungen resultieren. Das ebenfalls hierhergehörige intel- 
lektuale Gefühl des logischen Zusammenstimmens war in der Haupt¬ 
sache schon vorausgenommen. In all diesen Gefühlen äufsert sich ent¬ 
weder die Stellung zu den erf ahrun gsgemäf sen Beziehungen, 
wie bei Bekanntheit, Neuheit etc., oder das qualitative Hi neinpassen 
in den augenblicklich herrschenden allgemeinen Rhythmus oder endlich die 
Beschaffenheit dieser Ablaufs weise selbst hinsichtlich ihrer Einheit¬ 
lichkeit, Leichtigkeit und Kraft bezw. des Gegenteiles. Von dem letzten 
dieser drei Gesichtspunkte gelangt Verf. zu den Selbst wertgef&hien, 
die aus einer (nachträglichen) Betrachtung der an und für sich wertvollen 
Aktivität innerhalb dieses Ablaufes resultieren, welche das Material für den 
Begriff der Persönlichkeit im engeren Sinne bildet. In Fortsetzung dieses 
Gedankens stellt das letzte Kapitel über „die objektiven Werte und 
das Sollen“ zunächst das Hauptproblem hinsichtlich der ethischen Wert¬ 
gefühle, wie nämlich eine negative Wertung der Persönlichkeit möglich sei, 
wo doch die eigene Tätigkeit, also der Gegenstand dieser Wertung, selbst 
stets auf den momentan herrschenden Wertinteressen beruht. Das Rätsel 
löst die Annahme, dafs die momentan aktuellen Persönlichkeitsfaktoren 
im allgemeinen nur einen Ausschnitt aus der einheitlichen Persön¬ 
lichkeit ausmachen, die sich auf Grund der gesamten psychologischen 
Erfahrung bei den verschiedenen Individuen mehr oder weniger voll¬ 
kommen entwickelt und neben den momentan gerade herrschenden Fak¬ 
toren in verschiedenem Umfange aktuell werden kann. Dieser besonderen 
Basis entsprechend enthält dieses Wertgefühl den Charakter des in sich 
Gefestigten, relativ gegenständlich über die zufällig aktuellen Motive Hinaus¬ 
reichenden. Der vollen „Herrschaft“ dieser einheitlichen Persönlichkeit 
entspricht das Bewufstsein der „sittlichen Freiheit“. So schliefst denn auch 
die Schrift mit dem Hinweis auf die genauere Behandlung dieser Probleme 
der psychologischen Ethik in des Verfassers „Ethischen Grundfragen“. 
Wilhelm Wirth (Leipzig). 
Theodor Lipps. Einheiten und Relationen. Eine Skizze zur Psychologie der 
Apperzeption. Leipzig, J. A. Barth, 1902. 101 S. Preis 3,60 Mk. 
Auch diese Schrift geht wie die vorige in ihrem Grundgedanken 
darauf aus, die Analvse des Gesamtbewufstseins über die blofse Aner- 
kennung von gegenständlichen Inhalten der Empfindungen, Vorstellungen, 
Gedanken hinaus möglichst zu bereichern. Während aber in jener ersteren, 
wie erwähnt, das den gegenständlichen Inhalten gegenüberstehende
        

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