Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Brückner und E. Th. v. Brücke: Zur Frage der Unterscheidbarkeit rechtsäugiger und linksäugiger Gesichtseindrücke. Pflügers Archiv 90, 290-302. 1902
Person:
Trendelenburg, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33325/1/
Literaturbericht. 
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zu dem Schlufs, dafs sich bei monokularem Sehen sehr wohl sagen läfst, 
welches Auge das sehende ist. Folgende Methoden kamen zur Anwendung. 
Fixieren eines schwach leuchtenden Punktes im dunklen Raum, Abblenden 
bald des einen, bald des anderen Auges mit der Bourbon sch en Vorrichtung 
(Referat diese Zeitschrift ‘27, 119). Durch Vergröfserung des Punktabstandes 
von 6 auf 30 m, sowie durch Übereinanderstellen der Augen mittels 
passender Prismenkombinationen wurde ein event. Einflufs der Konvergenz¬ 
stellung auf das Urteil ausgeschlossen. Ebensowenig waren adduzierende 
oder abduzierende Prismen von Einflufs. Die Einwirkung des peripheren 
Gesichtsfelds wurde weiter durch Beobachtung mit jedem Auge durch eine 
möglichst enge Röhre ausgeschlossen. Die Sicherheit der Entscheidung 
erlitt keine Beeinträchtigung, wenn der Leuchtpunkt durch eine einseitig 
rote, anderseitig grüne Brille betrachtet und abwechselnd mit einem roten 
oder grünen Glase bedeckt wurde. Verwendung eines roten und eines 
grünen Punktes erschwert bei dieser Betrachtung die Entscheidung, welches 
Auge den roten und welches den grünen Punkt sieht, besonders bei 
wanderndem Blick. Erschien bei Versuchen am Heringsehen Haploskop 
mit gelbrotem und gelbgrünem Fleck die Mischfarbe, so war keine Unter¬ 
scheidung möglich; bei Wettstreit war sie um so leichter, je ausgesprochener 
dieser war. Der Einflufs von Muskelempfindungen konnte schliefslich durch 
Verwendung von Momentbelichtung ausgeschlossen werden. H. nimmt 
an, „dafs dem sinnlichen (centripetalen) Eindruck als solchem die Eigen¬ 
schaft der Unterscheidbarkeit anhaftet“. Eine Bedeutung für das körper¬ 
liche Sehen ist der retinalen Unterscheidbarkeit rechts- und linksäugiger 
Wahrnehmungen nicht beizumessen. 
W. Trendelenburg (Freiburg i. Br.). 
A. Brückner und E. Th. v. Brücke. Zur Frage der Unterscheidbarkeit rechts- 
und linksängiger Gesichtseindrücke. Pflüger s Archiv 90, 290—302. 1902. 
Verff. unternahmen eine Nachprüfung der Ergebnisse Heine’s (s. das 
vorstehende Referat) und finden, dafs bei gleichmäfsiger Beteiligung beider 
Augen am Sehakt keine Unterscheidung möglich ist. Versuche mit einer 
dunklen Doppelröhre, bei denen zwei gieichmäfsige Gesichtsfelder zur 
binokularen Verschmelzung kamen, sowfie am Plaploskop bei Wettstreit der 
Sehfelder führten zu gleichem negativem Resultat. Wurde hingegen ein 
Auge vom Sehakt völlig ausgeschlossen, so konnte in den meisten F allen 
richtig angegeben werden, weiches Auge dies war. Auch im Dunkelzimmer 
konnte bei Ausschlufs eines Auges vom Sehakt und möglichster Ver¬ 
meidung von diffusem Licht, sowie von Berührungsempfindungen meist 
richtig geurteilt werden. Hierbei war aber die scheinbare Lage des leuch¬ 
tenden Punktes seitlich von der Medianebene von Bedeutung. Diese Ab 
weichung ist nach Verff. durch die Konvergenz der Augen im Dunkel¬ 
zimmer zu erklären, also durch eine Vergröfserung des Abstandes des 
Lichtpunktes (s. Heine) nicht zu eliminieren ; wurden hingegen Prismen 
vor das Auge gesetzt, so war der Einflufs der scheinbaren Lage aus¬ 
geschaltet und eine Fälschung des Urteils möglich. Einige Reagenten 
konnten trotzdem angeben, welches Auge das verdunkelte war. Es liefs 
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