Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
M. Millioud: Le problème de la personnalité. Arch. de psychol. de la Suisse romande 1 (4), 380-410. 1902
Person:
Platzhoff-Lejeune, Ed.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33303/2/
Literaturbericht. 
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wufstseinseinheit ; das Gefühl dieser Einheit aber ist völlig verloren und 
kehrt erst in dem Augenblick wieder, der die Einheit selbst, durch die 
wiedererlangte Empfänglichkeit für äufsere Eindrücke, zerstört. "Woraus 
zu schliefsen wäre, dafs gerade die Mehrheit der Wahrnehmungen und 
Eindrücke das Ichbewufstsein erzeugt und stärkt, ihre Abnahme es schwächt, 
ja auslöscht. Dabei kommt die Qualität der Empfindungen weniger als die 
Quantität in Betracht. Werden aber die empfangenen Eindrücke zu zahl¬ 
reich und mächtig, mufs also der Auf nehmende auf alle zusammen und 
abwechselnd reagieren, so verliert sich das Ichbewufstsein so völlig, wie 
in dem entgegengesetzten Falle der mystisch-ekstatischen Konzentration. 
Das Persönlichkeitsgefühl findet sich also weder in der vollständigen Ab¬ 
wehr aller Eindrücke bis auf einen, noch in der völligen Hingebung an 
alle, sondern in dem Kampf, den die Mehrheit der eindringenden Elemente 
gegen die Minderheit der die Aufmerksamkeit besonders beschäftigenden 
führt. Die Charakteristik dieser beiden Eindrucksgruppen sowie die 
Skizzierung des dritten dem „Identitätsgefühl und Yereinfachungsverfahren“ 
gewidmeten Abschnitt mufs ich mir aus Rücksichten des schon längst 
überschrittenen Raumes an dieser Stelle versagen. Es mag genügen, von 
der aufserordentlich gedenkreichen und in ihrem Ergebnis bestehenden 
Abhandlung Milliouds einen schwachen Begriff gegeben zu haben. 
Ed. Platzhopf - Le jeune (Tour-de-Peilz, Schweiz). 
A. Heermann. Über Kopfschmerzen bei Schulkindern und ihre Beeinflussung 
durch suggestive Behandlung. Inaug.-Diss. Breslau 1902. 
Die häufigen Klagen der Kinder über Kopfschmerzen wurden von den 
Autoren als Ausdruck einer Erkrankung sui generis unter dem Namen des 
„habituellen oder idiopathischen Kopfschmerzes“ — betrachtet, als Migräne 
aufgefafst oder als das begleitende Symptom irgend einer anderen Er¬ 
krankung — Obstipation, Anämie, Refraktionsanomalie etc. — angesehen. 
Yerf. kam durch Beobachtung von 71 Fällen zu anderen Schlüssen. 
1. Typische, wohl charakterisierte Fälle von Migräne konnte er nicht 
mit Sicherheit feststellen. 
2. Einen Teil der oben erwähnten Störungen konnte er nicht als 
Ursache des Kopfschmerzes auf Grund der eingeleiteten Therapie an¬ 
erkennen. 
3. Der gröfste Teil der an Kopfschmerz leidenden Kinder, bei denen 
keine objektive Grundlage der Erkrankung ermittelt werden konnte, zeigte 
gleichzeitig Symptome neuropathischer Veranlagung. 
Die von ihm eingeleitete Therapie war eine suggestive, teils durch 
Verabreichung indifferenter Medikamente, teils durch Faradisierung, teils 
durch Stirndouchen. Es zeigte sich eben hierbei, dafs durch eines dieser 
Mittel allein oder durch Kombination derselben miteinander, zum Teil 
ohne Aufhebung der gleichzeitig etwa bestehenden organischen Leiden 
Besserungen bezw. Heilungen erzielt wurden. Von 35 in Behandlung ge¬ 
nommenen Fällen blieb bei 9 der Erfolg ganz aus. Der positive Ausfall 
der suggestiven Behandlung hat den diagnostischen Wert, dafs er den Kopf¬ 
schmerz im Kindesalter als eine Teilerscheinung einer neuropathischen 
Veranlagung charakterisiert. L. Merzbacher (Strafsburg i. E.).
        

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