Bauhaus-Universität Weimar

Zur Psychologie des Komischen. 
Von 
Dr. Emil Kraepelin. 
(Schluss.) 
II. 
Als den Ausdruck jener inneren Beziehungen, in welche eine 
Vorstellung oder eine Verbindung von Vorstellungen zu dem all¬ 
gemeinen Bewusstseinszustande des Individuums tritt, betrachten wir 
die Gefühle. Gerade hei der Analyse der komischen Wirkungen 
werden wir erwarten dürfen, auf dieser Seite unseres psychischen 
Lehens charakteristische Vorgänge anzutreffen, da die Komik er¬ 
fahrungsgemäß einen sehr erheblichen Einfluss auf die gemüthliche 
Gleichgewichtslage ausüht. Verdankt doch sicherlich ein nicht ge¬ 
ringer Antheil menschlichen Behagens überhaupt ihr allein seine Ent¬ 
stehung. Am eingehendsten hat Hecker in seiner vortrefflichen 
Arbeit jene Quellen der komischen Wirkungen verfolgt, welche wir 
auf dem Gebiete der Gefühle antreffen, und er hat seine ganze Ein¬ 
teilung der verschiedenen Gattungen des Komischen auf die Resultate 
derartiger Untersuchungen gegründet. 
Schon die oberflächlichste Betrachtung lässt erkennen, dass unter 
den psychologischen Wirkungen des komischen Contrastes Lustgefühle 
e®e bedeutsame Rolle spielen. Ueberall, wo ein Verständniss für 
Komik vorhanden ist, wird sie als willkommener Gast begrüßt, ja sie 
wird wegen dieses ihres Gefühlswertes von eigenen, zum Theil hoch¬ 
entwickelten Kunstgattungen in zweckbewusster Absicht gepflegt, um 
Wundt, Philos. Studien. II. 22
        

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