Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. A. Carr: The Survival Values of Play. Investigations of Psychology and Education of the University of Colorado 1 (2), 1-47. 1902 / - A Statistical Study of Education in the West. Ebenda 49-78
Person:
Kreibig
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33264/2/
376 
Literaturbericht. 
Der Y erf. vertritt dagegen den Standpunkt, dafs die Spielbewegungen 
in ihrem Gegensatz zu den Arbeitsbewegungen begriffen werden müfsten. 
Die Spielbewegungen seien spezielle Reaktionen, die hauptsächlich durch 
innere Momente des Spielenden bestimmt würden, durch die Lust an der 
Abwechslung, Anregung und der eigenen Initiative, wozu weiter das 
Merkmal der launenhaften und ungenauen Durchführung trete. Die Arbeits¬ 
aktivität andererseits sei von aufsen her kausiert und bedeute eine An¬ 
passung an äufsere Umstände und Notwendigkeiten, sowohl ihrem Inhalte 
als ihrer Durchführung nach. Als allgemeine (d. h. der Spiel- und Arbeits¬ 
aktivität gemeinsame) Nützlichkeiten der Spielbetätigung behandelt der 
Verf. im einzelnen 1. den vergnüglichen Zeitvertreib, 2. die Katharsis, 
3. die Erleichterung (oder Entspannung), 4. den Wiederersatz verbrauchter 
Energie, 5. die Einübung, 6. die erziehliche Wirkung (Übung, Organisation 
der Instinkte und Gewohnheiten, Mitteilung des sozialen Erbes) und 7. die 
soziologischen Nützlichkeiten. 
Die Katharsis ist für den Verf. „die reinigende Abfuhr von solcher 
Energie, welche antisozial wirken könnte“. 
Die ausschliefslich dem Spiel eigentümlichen Momente sind nach den 
Ausführungen des Verf. die relative Leichtigkeit der Bewegungsreaktionen, 
das überflüssig grofse Aktivitätsausmafs, die vergleichsweise beträchtliche 
Intensität der Reaktion, die Tendenz zum weiteren Steigern und Entwickeln 
dieser Energieausgaben und endlich die Unbeständigkeit und Abwechslungs¬ 
tendenz in den reaktiven Äufserungen. Vielleicht das lesenswerteste 
Kapitel ist das letzte über das Spiel als Erziehungsmittel, welches die 
sozial nützlichen Ausschaltungen, Anpassungen und Ausbildungen im Wege 
planvoller Spielbeeinflussung bespricht. Die Studie zeigt eine — bei solchen 
Abhandlungen selten anzutreffende — Strammheit der Gedankengliederung 
und eine bemerkenswerte Beherrschung der physiologischen Details. 
Für unsere wissenschaftlichen Interessen minder wichtig ist die 
zweite Gabe der Publikation, eine „statistische Studie über das Erziehungs¬ 
wesen im westlichen Amerika“. Um hier irgendwelche vergleichende 
Schlüsse zu gewinnen, müfste man die deutsche Statistik des Schulwesens 
mühselig nach den Gesichtspunkten des Verf. umarbeiten, was nur Sache 
eines speziellen Interessenten sein könnte. Eine rasche Übersicht über das 
Material im allgemeinen liefert das Summarium (S. 78), das Mr. Carr der 
Studie am Schlüsse beigefügt hat. Kreibig (Wien).
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.