Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. A. Colozza: Psychologie und Pädagogik des Kinderspiels. Mit einer Einleitung von N. Fornelli. Aus dem Italienischen übersetzt und ergänzt von Chr. Ufer. Altenburg, Oskar Bonde, 1900. 267 S. (Internat. Päd. Bibliothek von Ufer Bd. II.)
Person:
Pappenheim, Eugen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33263/1/
Literaturbericht. 
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und Gedeihen des Seelischen, besonders für Denkoperationen, ist mäfsige 
Wärme, da dieselbe eine leichte periphere Gefäfserweiterung, Anregung zu 
regelmäfsigem Atemholen und Erhöhung der Innervation der willkürlichen 
Muskeln hervorruft“ (336). _ Kreibig (Wien). 
K. Ziegler. Zum Egoismus einziger Kinder. Die Kinderfehler 5 (3), 89—101. 
1900. 
Die angeblich häufig gemachte Erfahrung, dafs einzige Kinder durch 
Mangel an „Erzogenheit“ unangenehm auffallen, veranlafst den Verf., den 
Ursachen dieser Erscheinung nachzugeben und zwar will er nicht die ver¬ 
kehrten Erziehungseinflüsse der Eltern als einzige Ursache gelten lassen, 
sondern sucht vielmehr jenen Egoismus aus dem Milieu oder eigentlich aus 
dem Mangel eines solchen zu erklären. Die isolierte Erziehung führt zur 
Selbstgenügsamkeit und legt so die ersten Keime zum Egoismus. Der 
Mangel an Geschwistern verhindert ein rechtzeitiges Abschleifen eigen¬ 
nütziger Regungen; das einzige Kind lernt nicht Verträglichkeit und lernt 
auch nicht sich versöhnen. Geschwisterliebe bildet wreit intensiver das 
Gemütsleben aus, als die Liebe zu den Eltern, der ein unbewufstes Ab¬ 
hängigkeitsgefühl zu Grunde liegt; die sozialen Gefühle haben ihren Keim 
in der Kinderstube. 
Der Verkehr mit Kameraden hat nicht dieselbe Wirkung wie der mit 
Geschwistern, da der erstere später eintritt, wTenn ein bestimmter Charakter 
schon in seinen Grundzügen vorgebildet ist. 
Die Eltern müssen es ihrem Kinde ersparen, dafs spätere trübe Er¬ 
fahrungen es erziehen, sie sollen früh selbstsüchtige Regungen dämpfen 
und durch Auswahl passenden Verkehrs die Erziehung ergänzen. 
Die Gedanken der zum Teil sehr gefühlvoll geschriebenen Abhandlung 
sind nicht neu. Im übrigen wird der fingierte Fall krasser Isolierung mit 
allen seinen üblen Folgen, vernünftige Eltern vorausgesetzt, durchaus nicht 
der gewöhnliche sein. 
Es ist immer ein Fehler, solche idealen Fälle als allgemeine gelten 
zu lassen. 
In derselben Weise liefse sich der Egoismus älterer Geschwister und 
der Egoismus jüngerer Geschwister herleiten, indem bei jenen auf die 
leicht entstehende Tyrannei den jüngeren gegenüber, bei diesen auf das 
Verziehen durch die älteren besonderer Nachdruck gelegt würde. Der¬ 
gleichen Darstellungen liefsen sich noch eine ganze Reihe erfinden. Sie 
würden aber nur Möglichkeiten und zwar Extreme schildern, auch, wie die 
vorliegende Abhandlung, manches Wahre enthalten, aber nicht das Abbild 
der Tatsachen sein. Weiss (Grofs-Lichterfelde). 
G. A. Colozza. Psychologie und Pädagogik des Kinderspiels. Mit einer Ein¬ 
leitung von N. Fornelli. Aus dem Italienischen übersetzt und ergänzt 
von Chr. Ufer. Altenburg, Oskar Bonde, 1900. 267 S. (Internat. Päd. 
Bibliothek von Ufer Bd. II.) 
Das Buch zerfällt in drei Teile: I. Das Spiel in psychologischer Hin¬ 
sicht, II. das Spiel in der Geschichte der Pädagogik, III. das Spiel in päda¬ 
gogischer Hinsicht. An dieser eingehenden Berücksichtigung der päda¬ 
gogischen Seite fehlt es, wie der Herr Übersetzer im Vorwort sagt, auch
        

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