Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Th. Elsenhans: Theorie des Gewissens. Zeitschr. f. Philosophie u. philosoph. Kritik 121 (1), 86-102. 1902; (2), 129-140. 1903
Person:
Wentscher
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33259/1/
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Litera turb er ich t. 
Im grofsen und ganzen wird man sagen müssen, dafs die gegebene 
Zusammenstellung und Charakteristik von Voraussetzungen, wie der 
mathematisch fafsbaren Grölsen, des einen, homogenen, unendlichen Raumes, 
der mechanischen Grundgesetze, des Energieprinzips u. s. w. eine zu¬ 
treffende ist. Es handelt sich hier in der Tat um Sätze, die auf der Er¬ 
fahrung ruhen, ohne doch Erfahrungssätze im engeren Sinn zu sein, um 
auf die Erfahrung angewandte Definitionen. Es entsteht nun freilich die 
Frage, wie wir im einzelnen dazu kommen, auf Grund der Erfahrung gerade 
diese Voraussetzungen als gültig anzusehen, gerade dieses Fundament der 
Wissenschaft zu errichten, eine Aufgabe, die im wesentlichen nur durch 
eine historisch-psychologische Darstellung zu lösen sein wird. An einzelnen 
Stellen deutet auch P. auf die Lösung dieser Probleme hin. 
In dem 4. Abschnitt, „de la nature;‘ überschrieben, handelt es sich im 
wesentlichen um die spezielleren Sätze und die spezifisch so genannten 
Hypothesen der Physik. Die Stellung, die P. ihnen gegenüber einnimmt, 
ist zu Anfang dieses Referats angedeutet worden. Durch Beispiele aus der 
Optik und Elektrodynamik wird das Gesagte illustriert, v. Aster (Berlin). 
Th. Elsenhans. Theorie des Gewissens. Zeitschr. f, Philosophie u. philosoph. 
Kritik 121 (1), 86—102. 1902; (2), 129—140. 1903. 
I. Das Wesen des Gewissens sucht E. in gewissen Gefühlen, die 
eine besondere Art der ethischen Gefühle seien, von diesen unter¬ 
schieden nur durch die Beziehung der in Frage stehenden Handlung auf 
das eigene Ich (91). Aus dem Begriffe der Handlung — im Gegensatz 
zur ethisch-indifferenten Bewegung — sucht er die weitere Bestimmung 
abzuleiten, dafs die Wirkung derselben auf andere Menschen, auf das 
Wohl und Wehe lebender Wesen, ein für das Gewissen charakteristisches 
Moment sei (93). Die Gewissensreaktion setze ein Sich-hineinfühlen in den 
Zustand der von der Handlung Betroffenen voraus (93). — Demgemäfs 
findet E. die allgemeinste Formulierung des Inhalts der Gewissens- 
äufserungen in dem Satze, „dafs diejenigen Handlungen die Billigung des 
Gewissens erfahren, bei welchen die Absicht des Handelnden auf das Wohl 
anderer Menschen gerichtet ist“, und umgekehrt (101). Das soziale 
Leben sei der Schauplatz des vom Gewissen gebilligten oder mifsbilligten 
Handelns (101). Das individuelle Lebensgefühl des Individuums erweitere 
sich zum höheren Gefühl für das Leben des sozialen Körpers, dessen Glied 
das Individuum sei (102). „Man könnte deshalb das Gewissen auch das 
soziale Gemeingefühl nennen“ (102). 
II. Zur Ergründung der Entstehung des Gewissens untersucht E. 
das Verhältnis des individuellen zum öffentlichen oder generellen 
Gewissen (129 f.). Im Gegensatz zu den empiristischen Theorien entscheidet 
er sich für die Annahme einer ursprünglichen generellen Gewissensanlage, 
die sich mit gleich guten Gründen halten lasse, wie die Annahme intel¬ 
lektueller Gattungsanlagen (133). Die historisch nun doch gegebenen 
Verschiedenheiten der Gewissensaussagen sucht er durch die Hypothese 
eines möglichen „Latentbleibens“ jener Anlage zu erklären (135). — Die 
Entwicklung der Gewissensanlage sei abhängig vor allem von der Stufe 
und Art des sozialen Lebens, als dem materiellen, von der In-
        

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