Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. A. Tawney: Feeling and Self-Awareness. Psychol. Review 9 (6), 570-596. 1902
Person:
Meyer, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33256/1/
Literaturbericht. 
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gebnissen in dem Befinden des Tieres, und diese Ergebnisse sind die Ur¬ 
sache der Unterscheidung der Einzelheiten in den Objekten. Entwicklungs- 
geschichtlich betrachtet: Diejenigen Individuen, in denen die geringsten 
Verschiedenheiten ähnlicher Objekte die mannigfaltigsten Reaktionen 
hervorrufen, haben die meisten Chancen eine Reaktion zu finden, die den 
Verhältnissen angepafst ist; erst später werden jene feineren Unterschiede 
zu Bewufstseinstatsachen. Verf. geht wohl etwas zu weit, wenn er be¬ 
hauptet, dafs die Unfähigkeit der Idioten, einem einzelnen Objekt längere 
Zeit ununterbrochen Aufmerksamkeit zu schenken, darin bestehe, dafs der 
Mechanismus, vermittels dessen in normalen Personen die Sinnesorgane 
den Objekten sich anpassen, unvollkommen ausgebildet sei. D. h., Idiotis¬ 
mus ist eine Form von Atavismus. Dem Ref. scheint dieser Schlufs über¬ 
eilt. Es sind doch wohl noch andere Erklärungen des Idiotismus möglich. 
Max Meyer (Columbia, Missouri). 
G. A. Tawney. Feeling and Seif • Awareness. Psychol. Review 9 (6), 570—596. 
1902. 
Verf bekämpft die Annahme, dafs Gefühle und Gedanken gesonderte 
Existenz besäfsen, und auch die Theorie, wonach Gefühle die ursprüng¬ 
lichsten Bewufstseinszustände seien, aus denen sich allmählich andere 
Bewufstseinszustände entwickelt hätten. Selbstbewufstsein ist entweder 
unmittelbares oder reflektierendes Selbstbewufstsein. Letzteres besteht in 
der Klassifikation des eigenen Selbst zusammen mit anderen Selbsts der 
gleichen Art. Alle Gefühle gewinnen soziale Bedeutung, Allgemeingültig¬ 
keit, durch Reflexion; sie werden dadurch in ideale Gemütsbewegungen 
übergeführt, auf denen Ästhetik, Ethik, Religionswissenschaft und Logik 
beruhen. Max Meyer (Columbia, Missouri). 
J. Chazottes. Le eonflit actnel de la science et de la philosophie dans la 
psychologie. Rev. philos. 54 (9), 249—259. 1902. 
Der Verf. geht aus von der Forderung, die er für berechtigt erklärt, 
kiafs die Psychologie, wie vor ihr die anderen Wissenschaften, sich von der 
allgemein philosophischen Behandlung der Dinge losmache und eine eigene 
positive Wissenschaft werde. Die Erfahrung zeigt, dafs diese Forderung 
in der Praxis der Psychologie besonders schwer durchzuführen ist, um die 
Durchführung zu ermöglichen, bedarf es vor allem einer klaren Definition 
der Psychologie, die sie von der Philosophie und von den anderen positiven 
Wissenschaften klar zu unterscheiden gestattet. Diese Definition findet Ch. 
in folgenden Bestimmungen : Das Sein, das die Wissenschaft erforscht, kann 
betrachtet werden als das Sein schlechtweg (l’être en tant qu’être), das den 
Gegenstand der Philosophie ausmacht, und als das so oder so bestimmte 
Sein, ein Ausdruck, mit dem der Verf. das gegebene sinnliche Material be¬ 
zeichnet. Das sinnliche Material ist wiederum einmal zu untersuchen als 
dies unmittelbar Gegebene, an dessen Existenz wir nicht zweifeln können: 
insoweit ist es Gegenstand der Psychologie, und zweitens als Zeichen einer 
erschlossenen physischen Welt: insofern fällt die Untersuchung den 
physischen Wissenschaften zu. Endlich ist alles Gegebene, wenn wir es 
rein für sich betrachten, Bewufstseinsinhalt und da die Untersuchung des
        

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