Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. v. Hartmann: Die psychophysische Kausalität. Zeitschr. f. Philosophie u. philos. Kritik 121 (1), 1-19. 1902
Person:
Wentscher
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33252/1/
Literaturbericht. 
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der offenbar die eigentliche Pointe des K.schen Beweises zum Ausdruck 
bringen soll: „Da es Tatsache ist, dass in einem materiellen System um so 
mannigfaltigere und verwickeltere Erscheinungen eintreten, je komplizierter 
sein Aufbau ist, so darf man wohl schliefsen, dafs die Vorgänge im Organis¬ 
mus von denen in der umgebenden äufseren Natur nicht wesentlich ver¬ 
schieden sind“ (122). 
So bleibt trotz der K.schen Bemühungen die Lösung des Problems 
auf eine empirische Basis zu stellen, die Tatsache bestehen, dafs bisher 
keine einzige derartige Erfahrungsinstanz hat geltend gemacht werden 
können, wie sie erforderlich wäre, um die für ausschliefslich physische 
Elemente von vornherein selbstverständliche Annahme geschlossener 
physischer Gesetzlichkeit auch auf das Gebiet derjenigen Elemente zu über¬ 
tragen, denen — nach gegnerischer Meinung — neben ihrer physischen Be¬ 
deutung zugleich noch eine psychophysische zukommt, so dafs die Vor¬ 
gänge, die sich hier abspielen, als Funktionen zweier voneinander unab¬ 
hängiger Variablen, einer physischen und einer psychischen, sich darstellen 
würden. — So können wir K. nur Recht geben, wenn er selbst sagt, sein 
Parallelismus drücke „zunächst“ nichts weiter aus, als das Bekenntnis der 
Unfähigkeit, das psychophysische Problem in befriedigender Weise zu 
lösen (138). 
Zum Schlüsse noch eins: K. spricht die Meinung aus, dafs durch die 
gegnerische Ansicht dem geistigen Leben Ketten angelegt werden. Denn 
auch in dem weiteren, Physisches und Geistiges umfassenden Naturganzen, 
werde alles einzelne Geschehen als von der blinden Notwendigkeit gleich¬ 
bleibender Wirkungsgesetze beherrscht zu denken sein (38). Warum 
diese letztere Annahme gerade hier notwendig sei, wird freilich nicht 
weiter erklärt; und noch weniger, wie nun umgekehrt die von ihm be¬ 
hauptete Selbständigkeit des geistigen Lebens (139) soll aufrecht erhalten 
werden können, wenn dieses doch in seinem Ablauf gezwungen ist, dem 
nach parallelistischer Ansicht doch sicher streng geschlossenen, rein 
mechanisch bedingten Verlaufe der zugeordneten physischen Vorgänge 
überall parallel zu bleiben. Wentschee (Bonn). 
E. v. Haktmann. Die psychophysische Kausalität. Zeitschr. f. Philosophie u. 
philos. Kritik 121 (1), 1—19. 1902. 
Die Ausführungen H.s verfolgen ein doppeltes Ziel; zunächst ein 
polemisches, negatives, die Abwehr der mifsverständlichen Angriffe, welche 
E. König gegen ihn erhoben; des weiteren aber das positive, in kurzer 
Übersicht die in seinen früheren Schriften entwickelten Anschauungen über 
das Verhältnis von Leib und Seele noch einmal klarzustellen. — Die 
gegnerische Forderung, doch einmal ein Beispiel namhaft zu machen, 
„welches unzweideutig die Mitwirkung eines immateriellen Agens im 
Organismus bewiese“, wird als völlig haltlos aufgedeckt. In ihr werde über¬ 
sehen, „dafs solches Agens, falls es vorhanden, keinesfalls mit den 
Sinnen oder mit Mefsinstrumenten wahrgenommen, sondern nur mittelbar 
erschlossen werden kann.“ Zu solchem Erschliefsen aber glauben die 
vitalistischen Richtungen der modernen Biologie (z. B. Reinke) auf Grund 
umfassendster Detailkenntnis in der Tat sich genötigt (3) ; und König habe
        

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