Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Otto Lummer: Die Ziele der Leuchttechnik. Experimentalvortrag, gehalten am 19. März 1902 am Gesellschaftsabend des Elektrotechnischen Vereins zu Berlin. Elektrotechnische Zeitschrift 23 (35 u. 36). 1902
Person:
Piper, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33244/5/
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Literaturbericht. 
portional deren Intensität reagiert. Im Gegenteil für das Auge haben die¬ 
selben Strahlen je nach dem Adaptationszustande ganz verschiedene Reiz¬ 
werte, und diese Tatsache hat zu der anatomisch und physiologisch wohl 
begründeten Annahme geführt, dafs die Netzhaut zwei wesentlich ver¬ 
schieden reagierende Apparate enthält, den „Hellapparat“, als dessen ana¬ 
tomisches Substrat die Zapfen, und den „Dunkelapparat“ als dessen ana¬ 
tomisches Substrat die Stäbchen zu betrachten sind. Der erste Apparat 
reagiert selektiv am stärksten auf Energiestrahlen von etwa 580 fiu Wellen¬ 
länge, der zweite auf solche von etwa 500 ; der erste ist durch rotes 
Licht erregbar, der zweite nicht, der erste vermittelt Farbenempfindungen, 
der zweite nur die Empfindung farbloser Helligkeit etc. 
Es ist von besonderem Interesse, zu bemerken, dafs hier zum ersten 
Male ein Physiker von seinem Standpunkt aus die in der 
Stäbchenhypothese niedergelegten Schlufsfolgerungen für 
zwingend erklärt. 
Bei der Untersuchung der Energiestrahler als Lichtquellen tritt nun 
die Photometrie in ihr Recht, eine Mefsmethode, welche speziell für unser 
Sehorgan und für die spezifisch wirksamen, als Licht empfundenen Energie¬ 
strahler zugeschnitten ist, also im eigentlichen Sinne des Wortes eine 
physiologische Mefsmethode ist. An das BuNSExsche Fettfleckphotometer 
brauche ich nur zu erinnern, auf die vollkommenen „LuMMERSchen Gleich- 
heits- und Kontrastphotometer“, welche die Fehler auf % einschränken, 
soll aber besonders auch an dieser Stelle wieder aufmerksam gemacht 
werden. Die Photometrie lehrt, dafs auch die als Licht empfundenen 
Energiestrahlen hinsichtlich ihrer Intensität abhängig sind 1. von der 
Natur der emittierenden Substanz und 2. von der Temperatur derselben. 
Es zeigt sich auch hier, dafs bei Zunahme der Temperatur die kurzwelligen 
Strahlen mehr an Energie gewinnen, als die langwelligen, daher z. B. der 
Übergang der Rotglut in Weifsglut bei stärkerer Erhitzung der glühenden 
Substanz. 
Hatten wir bisher gefunden, dafs die Energie der Gesamtstrahlung pro¬ 
portional zur vierten bis fünften Potenz und die Energie des Maximums mit 
der fünften Potenz der absoluten Temperatur zunimmt, so zeigt sich jetzt, 
dafs die als Licht empfundene Energie noch bedeutend schneller mit der 
Temperatur ansteigt. Bei Rotglut schreitet z. B. die Helligkeit des Platins 
proportional zur dreifsigsten, bei Weifsglut immer noch zur vierzehnten 
Potenz der Temperatur fort. Besonders erheblich ist die Intensitäts- 
zunahme der blauen Lichtstrahlen, und man hat die Gesetzmäfsigkeiten 
dieser Helligkeitssteigerung benutzt, um durch photometrische Messungen 
Aufschlufs über die Temperatur glühender Substanzen zu gewinnen 
(Pyrometer). 
Alle diese Erörterungen treffen nur zu, solange es sich um „Temperatur¬ 
strahler“ handelt. Keins der abgeleiteten Gesetze beansprucht Gültigkeit für 
die zweite Klasse der lichtaussendenden Strahler, die „lumineszierenden“ 
Substanzen. In die Reihe dieser noch ganz unaufgeklärten physikalischen 
Erscheinungen gehören die von GEissLERSchen Röhren ausgehenden Licht¬ 
strahlen, das Fluoreszenzlicht etc. Diese kommen dem technisch - öko¬ 
nomischen Ideal sehr nahe, Licht auszusenden ohne Wärmebildung, sind
        

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