Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kirchhoff: Die Höhenmessung des Kopfes, besonders die Ohrhöhe. Allgemeine Zeitschr. f. Psychiatrie 59, 363-389. 1902
Person:
Umpfenbach
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33240/1/
Literaturbericht. 
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zwischen der rechten oder linken Hemisphäre, dieses oder jenes Stirnhirn¬ 
bezirkes und der Psyche oder einzelner psychischer Qualitäten andererseits 
berechtigen. Das anatomische Substrat der seelischen Prozesse ist nicht 
das Stirnhirn, sondern das ganze Gehirn, zumindest das ganze Grofshirn, 
M. kann sich aber auch der Möglichkeit nicht verschliefsen, dafs bei Läsion 
umschriebener Territorien, die durch diffuse Alterationen der Grofshirn- 
rinde bedingte psychische Störung einige von der topischen Lage des 
Herdes abhängige mehr oder minder charakteristische Züge auf weisen 
kann. Die psychischen Störungen bei Hirntumoren sind nur echte All¬ 
gemeinerscheinungen. Umpfenbach. 
Kibchhoef. Die Höhenmessung des Kopfes, besonders die Ohrhöhe. Allgemeine 
Zeitschr. f. Psychiatrie 59, 363—389. 1902. 
Kopfruafse und Schädelmafse sind nicht identisch; sie weichen in be¬ 
stimmter und annähernd bestimmbarer Weise voneinander ab. K. hat ge¬ 
funden, dafs, was Länge und Breite anlangt, die Schädelmafse 1/.2—3/4 cm 
geringer sind. Die Durchmessermafse sind wertvoller als die Umfangs- 
mafse. Letztere sind schwer exakt zu bekommen, namentlich wegen der 
Haare. Deshalb ist auch ein Teilmafs des Kopfes wichtiger, die Ohrstirn¬ 
linie. Der Ausgangspunkt für Ohrstirn- und Ohrhinterhauptslinie ist das 
äufsere Ohrloch. Virchow erklärte, dafs die Lage des äufseren Gehörganges 
viel gröfserer Variation unterliegt als die irgend eines anderen in Betracht 
kommenden Mefspunktes. Die Differenz der Schädellänge bei Dolicho- 
cephalen und Brachycephalen betrifft mehr die Ohrhinterhauptslinie. Der 
vordere Teil des Schädels unterliegt ungleich geringeren Schwankungen. 
Da Lang- und Kurzschädel dieselbe Intelligenz zeigen, scheint nicht die 
Länge, sondern die Höhe des Schädels gröfsere Bedeutung zu beanspruchen. 
Die Verbindungslinie der hinteren Ränder der Ohröffnungen fällt in verti¬ 
kaler Richtung nicht viel vor oder hinter die Mitte der Gelenkfortsätze des 
Hinterhauptbeines. K. bezeichnet als Ohrebene eine Ebene, die senkrecht 
auf die Horizontalebene durch die Ohrachse gelegt wird; sie enthält auch 
die Ohrhöhe. Das sog. Basion liegt im Durchschnitt fast 1 cm vor dieser 
Ebene. Vom Basion aus wird die Schädelhöhe gemessen. Der Teil der 
Höhe zwischen Basion und Ohrachse ist eine nahezu konstante Gröfse bei 
normalen und pathologischen Schädeln. K. will dafür eine Gröfse von 2 cm 
als normal annehmen; hat dieselbe auch bei Mikro-und Hydrocephalen ge¬ 
funden. Ohrhöhe -j- 2 cm ist demnach = Kopfhöhe, bei den Erwachsenen 
berechnet, gleich bei Männern und Frauen. Das Ohrloch hat durchweg 
eine konstante Höhenlage, das Ohr kann höchstens mal tiefer als normal 
sitzen. Beim Embryo rückt die äufsere Ohröffnung von unten nach oben 
hinauf. Ohrstirnlinie zu Ohrhinterhauptslinie verhalten sich normal 30: 24, 
bei den dementen Epileptikern z. B. wTie 30:20. Bei Kindern sind beide 
Linien annähernd gleich, bei Erwachsenen ist dies selten, z. B. bei Kant. 
Dolichocephalen, wo die Ohrhinterhauptslinie relativ grofs ist, scheinen 
besonders oft geistig sehr begabt zu sein. Die Ohrebene schneidet die 
Stammganglien fast in der Mitte. Degenerierte zeigen eine relativ geringe 
Kopfhöhe. Das Abtasten der Knochennähte am Lebenden hält K. für sehr 
unsicher. Künstliche Mifsstaltungen des Schädels bleiben ohne nennens-
        

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