Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
F. Marchand: Über das Hirngewicht des Menschen. Abhandl. der math.-phys. Klasse der Königl. Sächs. Gesellschaft der Wissenschaften 27 (4), 393-481
Person:
Edinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33229/1/
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Litera turbericht. 
die Annahme der Biogenhypothese manche der verwickeltsten Lebens¬ 
vorgänge dem Verständnis näher bringt und viele der meist umstrittenen 
Fragen in überraschender Einfachheit beantwortet, so dafs sie wohl als eine 
„Arbeitshypothese“ von grofser Fruchtbarkeit bezeichnet werden darf und 
dadurch ihre Existenzberechtigung am besten selbst beweist. 
H. Piper (Berlin). 
F. Marchand. Über das Hirngewicht des Menschen. AbhandL der math.-phys. 
Klasse der Königl. Sächs. Gesellschaft der Wissenschaften 27 (4), 393—481. 
Mk. 3.00. 
Ich weifs nicht ob je die Stunde kommen wird, in welcher die Psycho¬ 
logie aus der aufserordentlich grofsen Arbeit, welche bisher durch Wägungen 
des Gehirnes geleistet worden ist, entsprechenden Nutzen ziehen kann. Die 
[Resultate dieses Verfahrens wrerden — soweit eben die Psychologie in Be¬ 
tracht kommt, zunächst einfach niedergelegt, wie die Präparate in einem 
Museum. Vielleicht kommt dereinst der Mann, welcher die Sammlung 
braucht. Das gilt zunächst für die Wägungen des Gesamthirnes und andere 
als diese können wir bisher nicht machen. Aber für andere Zwecke, vor 
allem auch im Sinne des rein Deskriptiven mufs die Wägung ausgeführt 
werden. Gerade die neuesten und durch besonderen Reichtum an Material 
sowie durch genaue Fragestellungen ausgezeichneten Arbeiten von Marchand 
zeigen wieder, dafs in mancherlei Beziehungen Interessantes sich dabei 
herausstellt, sie zeigen auch, dafs es noch immer weiter lohnen wird hier 
Material anzuhäufen, damit etwaige Schlüsse fester gezogen wrerden können. 
Wir haben im vergangenen Jahre aufser der hier anzuzeigenden Arbeit von 
Marchand noch eine wreitere über das gleiche Thema von Matiegka — 
Böhmen, aufserdem Wägungen von anderen Rassengehirnen Chinesen z. B. 
erhalten. Marchand hat Hessengehirne in Marburg gevrogen. Er dis¬ 
kutiert eingangs die möglichen Fehlerquellen, Todesursache etc. Inter¬ 
essant ist gleich, dafs der Koeffizient, welcher sich aus Körperlänge 
und Hirngewdcht ergiebt, so gering schwankt, dafs man ihn vernach¬ 
lässigen kann. Im ganzen ist aber doch das mittlere Hirngewdcht bei 
Männern und Frauen unter Mittelgröfse etw-as niedriger, als das 
normal grofser Individuen. Die gröfsten Schwankungen zeigt das Hirn¬ 
gewicht der Neugeborenen und der Kinder im ersten Lebensjahre. Allmäh¬ 
lich werden die Differenzen dann zwischen den einzelnen Individuen ge¬ 
ringer. Bis zu einer Körpergröfse von 70 Zentner erfolgt die Gewichts¬ 
zunahme des Gehirnes unabhängig von Lebensalter und Geschlecht, pro¬ 
portional dem Körperwachstum. Von da ab ist sie unregelmäfsiger. Das 
anfängliche Hirngewicht von ca. 371 g bei männlichen und 361 g bei weib¬ 
lichen Kindern — leider kommen nur 24 Exemplare in Betracht — ver¬ 
doppelt sich schon im Laufe der ersten 3/4 Jahre. Vor Ablauf des dritten 
Lebensjahres hat es sich verdreifacht. Aber nun erfolgt die Zunahme 
immer langsamer, bei Männern bis zum 19.—20. Jahr, bei Frauen noch 
langsamer als bei Männern. Bei den ersteren hört die Gewichtszunahme 
auch im 16.—18. Jahre auf, bei Männern erst ca. 2 Jahre später. Es scheint 
mir wahrscheinlich, dafs diese Verhältnisse andere sein können bei einem 
Materiale das sich nicht aus der körperlich arbeitenden Bevölkerung, sondern
        

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