Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Köllikers: Handbuch der Gewebelehre des Menschen. Sechste umgearbeitete Auflage. Dritter Band von Victor von Ebner. Leipzig, Engelmann, 1902. 619 S.
Person:
Edinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33226/3/
Literaturbericht. 
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an dem Buche betonen, die Summe von alter und neuer Arbeit, die es 
bringt, das vielfach Originale, welches durch die erneute Durcharbeit hier 
geschaffen worden ist. Edinger (Frankfurt a. M.). 
N. Yaschide et Cl. Vurpas. La rétine d’un anencéphaîe. Archives de médecine 
expérimentale et d1 Anatomie pathologique 827—831. 1901. 
Die histologische Untersuchung der Retina eines Anencephalen ergab, 
dafs das Organ von vollständig normaler Struktur war, also die sämtlichen 
bekannten Schichten in normaler Beschaffenheit aufwies. Der Befund ist 
recht bemerkenswert, weil eine normale Ausbildung der Netzhaut bei ihrer 
Entwicklung als Ausstülpung des Hirnrohres in diesem Falle a priori nicht 
zu erwarten war. Auch wenn man annimmt, dafs das Gehirn ursprünglich 
normal angelegt, später aber durch pathologische Prozesse destruiert wurde 
— und Befunde von Infiltration, Leukocytenanhäufung, Cystenbildungen etc. 
sprechen im beschriebenen Fall für die Richtigkeit dieser Annahme —, so 
bleibt doch die Tatsache merkwürdig und beachtenswert, dafs das Anhangs¬ 
organ sich normal weiter ausbilden kann, auch wenn die Entwicklung des 
Ursprungsorganes frühzeitig sistiert oder wenn dasselbe gar hochgradige 
degenerative Veränderungen erfährt. H. Piper (Berlin). 
Max Verworn. Die Biogenhypothese. Eine kritisch-experimentelle Studie 
über die Vorgänge in der lebendigen Substanz. Jena, G. Fischer, 1903. 
114 S. 
Verworn gibt über seine in eingehender Begründung entwickelten 
Vorstellungen vom Zustandekommen der Lebensprozesse, resp. über die 
Anschauungen, wrelche den wesentlichen Inhalt der Biogenhypothese 
bilden, folgendes Résumé: „Den Kernpunkt der Biogenhypothese bildet 
die Annahme, dafs in der lebendigen Substanz eine komplizierte Ver¬ 
bindung existiert, das Biogen, die selbst schon einem fortwährenden Stoff¬ 
wechsel unterliegt, indem sie durch Umlagerung der Atome an bestimmten 
Punkten ihrer grofsen Moleküle fortwährend sich dissoziiert und darauf 
wieder restituiert. Diese Dissoziation und Restitution der Biogenmoleküle 
wird ermöglicht durch komplizierte Hilfseinrichtungen, wie sie anscheinend 
nur in der Formation der lebendigen Substanz zu Zellen realisiert sind. 
Hinsichtlich der chemischen Konstitution des Biogens kann man sich 
etwa folgende allgemeine Vorstellungen machen. Das Biogenmolekül ist 
eine sehr komplexe stickstoffhaltige Kohlenstoff Verbindung und besitzt um 
den Benzolring als Kern verschiedenartige Seifenketten, von denen die 
einen Stickstoff- oder vielleicht eisenhaltig sind und als Rezeptoren für den 
Sauerstoff dienen, während andere Kohlenstoffketten von Aldehydnatur 
repräsentieren und das Brennmaterial für die oxydative Dissoziation des 
Biogenmoleküls liefern. 
Die funktionellen Oxydationsprozesse finden im Biogenmolekül selbst, 
nicht erst an seinen Zerfallsprodukten statt. Durch die intramolekulare 
Einfügung des Sauerstoffes an der Rezeptorengruppe erhält das an sich 
schon sehr labile Molekül den Plöhepunkt seiner Zersetzlichkeit. Bei der 
funktionellen Dissoziation geht Sauerstoff von der Rezeptorengruppe an 
die Aldehydgruppe der Kohlenstoffkette über und tritt mit dem Kohlen- 
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