Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Köllikers: Handbuch der Gewebelehre des Menschen. Sechste umgearbeitete Auflage. Dritter Band von Victor von Ebner. Leipzig, Engelmann, 1902. 619 S.
Person:
Edinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33226/2/
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Literaturbericht. 
recht zu halten. Die neueren Untersuchungen lassen keinen Zweifel 
mehr darüber, dafs hier nicht ein peripheres Sinnesorgan, wie etwa die 
Rieehschleimhaut vorhanden ist. Entwicklung und Aufbau zeigen, dafs 
es sich um einen echten Hirnteil handelt, in dem sich Vor¬ 
gänge abspielen müssen, die weit mehr als eine einfache 
Leitung sind. 
Vielerlei läfst sich dafür anführen. So stehen z. B. die äufseren Enden 
der Bipolaren immer mit mehreren Sehzellen in Kontakt, und von ihren 
inneren Enden verbinden sich immer mehrere mit nur einer Ganglienzelle. 
Die Leitung wTird demnach — Gbeef — von aufsen nach innen konzentrierter.. 
Von einer gröfseren Anzahl von Sehzellen gelangt also in den einen Achsen¬ 
zylinder der Ganglienzelle ein gemeinsamer Erregungszustand. Auch der 
Nachweis horizontaler Verbindungen durch Zellen und Plexus innerhalb 
der Retina widerspricht der Auffassung, dafs diese ein Leitungsorgan 
allein darstelle. Auch der enorme Zahlunterschied, welcher zwischen den 
Sehzellen und den Optikusfasern besteht, weist darauf hin, dafs letztere¬ 
komplizierteren Erregungen dienen, als die ersteren. Salzer hat 7—8 mal 
so viel Zapfen als Sehnervenfasern gefunden ! Erwägt man, dafs aufser den 
Zapfen auch noch die etwa 18 mal (Krause, Chiewitz) zahlreicheren Stäb¬ 
chen ihre Erregungen auf die Nervenfasern übertragen müssen, so bleibt 
wohl kein anderer Ausweg als die Annahme, dafs zum Gehirn nicht blofs 
Lokalzeichen, sondern ein viel komplexerer Vorgang geleitet wird. 
Dem Verf. erscheint es am wahrscheinlichsten, dafs bereits in der 
Retina die Erregungen des Sehzellenmosaiks zu einem Bilde 
verarbeitet werden. Die Leitung durch den Sehnerven zum Gehirn 
würde dann das Zustandekommen des Sehens, die Sehassoziationen, die- 
Erregung der notwendigen Reflexe vermitteln. Nichts im Bau der occipi- 
talen Rinde — und (Ref.) des Mittelhirnapparates — spricht dafür, dafs hier 
eine Anordnung gegeben ist, welche der Mosaikaufnahme dienen könnte. 
Die Verbindungen innerhalb des retinalen Apparates sind so grofs, dafs 
man die Annahme machen könnte, dafs schon eine einzige Ganglienzelle, 
in freilich unvollkommener Weise, das ganze Sehfeld dem Bewufstsein zu 
übermitteln vermag. Vielleicht kommt das Sehen durch ein Multiplum 
von teilweise gleichen und ein solches von teilweise ungleichen Eindrücken 
zu stände. Vielleicht auch ist das ganze erregte retinale Organ beim Sehen 
in fortwährend wechselnden punktförmig verschiedenen Zuständen unter 
dem Einflufse der Sehzellen, Bipolar-, Horizontalzellen und Spongiopiasten. 
Da an den letzteren auch noch zentrale Fasern enden, so ist dadurch auch 
eine Bahn für Hemmungs- etc. Vorgänge gegeben. 
Die Untersuchung des Baues der zentralen Akustikusendigung führt den 
Verf. auch zu der Annahme, dafs die HELMOLTzsche Theorie un¬ 
haltbar sei. Die Resonanztheorie mufs verlangen, dafs von jeder Hör¬ 
zelle eine isolierte Leitung weiterführe. Davon kann aber gar keine Rede 
mehr sein. Jede Zelle des Ganglion spirale kann Erregungen aus ganz ver¬ 
schiedenen Teilen des Schneckenganges erhalten. Dieser Anordnung ver¬ 
trägt sich, wie Ref. scheint, mit der EwALüschen Theorie ganz gut. 
Referent möchte zum Schlüsse doch noch einmal das Grofse
        

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