Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Paul Garnier: La criminalité juvénile. Revue scientifique 17 (15), 449-455. 1902
Person:
Schultze, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit33222/1/
Li teraturberich t. 
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mehr vagen, unklaren Bewufstseinsprozessen zusammen. Von Wichtigkeit 
ist der vorher bestehende seelische Zustand der Versuchsperson, und das 
erklärt die verschiedene Reaktion verschiedener Personen. Spannung ist 
von Gefäfskontraktion, Lösung der Spannung von Dilatation begleitet. Lust 
und Unlust, Schrecken und Furcht geben sich deutlich kund. Die Kurve 
4er Spannung zeigt niedriges Volumen und kleinen Puls, der entgegen¬ 
gesetzte Zustand, das Gefühl der Abspannung, Lösung oder Befreiung, 
grofsen Pulsschlag und grofses Armvolumen. Die plethysmographischen 
Untersuchungen sprechen für die Richtigkeit der WuNDTSchen Auffassung 
von den verschiedenen Affekten. 
Vielleicht lassen sie sich bei der Entscheidung, ob Simulation oder 
Dissimulation vorliegt, verwerten. Ebnst Schultze. 
Paul Gabnier. La criminalité juvénile. Revue scientifique 17 (15), 449—455. 
1902. 
Die Zahl der jugendlichen (16.—20. Lebensjahr) Verbrecher gegen 
das Leben ist in der Zeit von 1888 bis 1900 fast um das siebenfache ge¬ 
stiegen und ist sechsmal gröfser geworden als die Zahl der Erwachsenen, 
die das gleiche Verbrechen sich zu schulden kommen liefsen. Wenn die 
Verbreitung des Alkoholismus auch nicht die einzige Ursache ist, so ist dieser 
doch einer der wichtigsten Faktoren in seiner direkten und indirekten 
Wirkung, zumal er auch unter dem weiblichen Geschlechte sich verbreitet. 
4/g der jugendlichen Verbrecher stammen von trunksüchtigen Eltern. Diese 
jugendlichen Verbrecher sind ausgezeichnet durch ihre Neigung zu impul¬ 
siven Handlungen, ihre gemütliche Stumpfheit, durch den Cynismus und 
das Fehlen aller Reue. 
Die wirksamste Waffe ist die Prophylaxe, welche eine Besserung der 
sozialen Verhältnisse, eine günstigere Gestaltung des Milieu sowie Be¬ 
kämpfung der Trunksucht anstreben soll. Vor allem ist Wert auf eine 
zweckmäfsige und zielbewufste Erziehung zu legen, wie Verf. des genaueren 
ausführt. Ernst Schultze (Andernach). 
Naecke. Probleme auf dem Gebiete der Homosexualität. Allgem. Zeitschr. f. 
Psychiatrie 59, 805—829. 1902. 
Verf. hat den vorliegenden Gegenstand bereits mehrfach bearbeitet 
und sucht ihm in der vorliegenden Abhandlung einige neue Gesichtspunkte 
abzugewinnen. 
Es wird zunächst zwischen Perversität und Perversion unterschieden. 
Letztere ist etwas Angeborenes, erstere ist synomym mit Laster, welches 
vorherrschend exogen (Erziehung, Milieu) bedingt ist. Perversität hört auf, 
sobald anderweitige Gelegenheit zu geschlechtlicher Befriedigung gegeben 
ist, aufser wenn Perversion vorliegt. Gelehrte von höchster Kompetenz be¬ 
haupten neuerdings, dafs die Homosexualität stets angeboren sei. Demnach 
wäre sie doch kein Laster. Jedenfalls darf man nicht jeden homosexuellen 
Akt mit echter Homosexualität verwechseln. Vielmehr kann die homo¬ 
sexuelle Handlung blofser Ausflufs des Detumeszenztriebes sein, ohne dafs 
dabei die Psyche selbst irgendwie homosexuell denkt oder fühlt. Als 
wichtigstes diagnostisches Mittel zur Feststellung der echten Homosexuali-
        

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